Die Linke forderte einen neuen, durch zeitgleiche Volksabstimmungen in allen EU-Staaten legitimierten EU-Vertrag, die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsregierung und die Auflösung der Nato. Mit diesem Profil strebt sie bei der Wahl am 7. Juni ein Ergebnis von mehr als zehn Prozent an (2004: 6,1). Der Vorsitzende Oskar Lafontaine wies den Vorwurf der Europafeindlichkeit seiner Partei zurück. Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise forderte er mehr Geld für die bisher "enteigneten" Arbeitnehmer und Rentner. Reifeprozess in ParteiBundestagsfraktionschef Gregor Gysi sagte: "Wir sind pro-europäisch, die anderen Parteien sind anti-europäisch, weil sie ein Europa der Regierungen wollen und wir ein Europa der Bevölkerungen." Die Linke habe in Essen gezeigt, dass sie geschlossen, programmatisch und diszipliniert Politik mache. Das Zusammenwachsen von Ost- und West-Mitgliedern der Partei sei zwar noch nicht abgeschlossen. Es gebe aber einen "Reifeprozess". KampfkandidaturenDer 67-jährige Bisky wurde mit 93,4 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Der Parteitag folgte den Vorschlägen des Bundesausschusses für die Liste bis Platz neun. 13 Plätze gelten in der Partei als aussichtsreich. Auf Platz zehn setzte sich überraschend der EU-Abgeordnete Tobias Pflüger durch, der vom Bundesausschuss wie die profilierten Linke-Politiker Sylvia-Yvonne Kaufmann und André Brie nicht nominiert worden war. Kaufmann verlor drei Kampfabstimmungen. Die 54-Jährige ist in der Partei umstritten, weil sie für den EU-Reformvertrag von Lissabon gestimmt hat, während ihre Partei dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht klagt. Als einzige derzeitige Europaabgeordnete hatte der Bundesausschuss die frühere PDS-Chefin Gabi Zimmer wieder nominiert. Sie wurde auf dem dritten Listenplatz bestätigt. Brie unterlag in einer Stichwahl um Platz zwölf. Insgesamt bewarben sich 81 Bewerber auf 30 Plätze. dpa/kr