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Die Linke – kein Gefühl, keine Idee

Wortspiel statt Inhalt, das zentrale Wahlplakat der Linken.
Wortspiel statt Inhalt, das zentrale Wahlplakat der Linken. FOTO: dpa
Berlin. Der Wahlkampf geht in die heiße Phase. Jetzt kommt es auch auf die Wahlplakate an. Was taugen die Motive der Parteien? Die RUNDSCHAU macht den Test. Zwei Experten geben ihre Bewertung ab, heute zur Linkspartei. Werner Kolhoff

Karsten Göbel, Geschäftsführer Agentur Super an der Spree GmbH: "Die Linke will aus der linken Kampfecke. Das kann sie sich erlauben, denn sie muss derzeit nicht mit der SPD um linke Wähler kämpfen. Solange die SPD in der Bundesregierung regiert, ist Raum für Experimente. Also wird auf dem Hauptmotiv ausnahmsweise nicht auf "die da oben" gehauen, sondern das Linke Lebensgefühl beschworen. Eine nette Idee, sie hakt nur an zwei Ecken: Zum einen überschätzt die Linke damit die Auffassungsgabe ihrer Wähler, die nicht nur aus 68ern mit Spaß am Wortspiel bestehen, sondern aus frustrierten Fortschrittsverlierern. Zudem fehlt der Linken für dieses "Lebensgefühl-Plakat" vor allem eines - das Gefühl. Ein reines Schriftplakat ohne Fotos oder Illustrationen, die optisch "Lust" vermitteln, wird die Linke nicht zu neuen Höhenflügen führen."

Eberhard Bingel, Vorstand CB.e AG: "Plakate sind toll, sie können Emotionen wecken, informieren, ärgern, lustig sein, kämpfen. Die Plakate der Linken tun leider nichts von alledem. Das Plakat hat noch nicht mal eine inhaltliche Nähe zu den Linken, die sich gewöhnlich als meinungsstark und sachorientiert gibt, aber noch nie als humorvoll aufgefallen ist. Klappt ja auch nicht: Der Witz wirkt gewollt und ist nicht auf Anhieb verständlich.

Wer dachte, die anderen Parteien haben wenig Inhalt, kennt die Plakate der Linken nicht, diese sind sogar inhaltsfrei. Obwohl keine Preise draufstehen, sind sie leicht mit den Plakaten einschlägiger Elektronikmärkte zu verwechseln.

Die Grafik gibt sich modern, ist aber uninspiriert und grob. Die Webadresse ist nicht zu erkennen.

Das Plakat wirkt lieblos gemacht, und vor allem fehlt eine überzeugende Idee."