Zum Ende der Trauerfeier für die in Afghanistan getöteten Soldaten erklingt die Nationalhymne. Dann herrscht Schweigen. Durch die Kirchenfenster ist nur der Gleichschritt der 21 Kameraden zu hören, die zum hölzernen Altar der St.-Lamberti-Kirche im niedersächsischen Selsingen marschieren. Dort sind die mit einer Deutschlandflagge bedeckten Särge der drei gefallenen Soldaten aufgebahrt, auf jedem ist ein Stahlhelm platziert. Davor zeigen Aufsteller die Einsatzmedaillen der Soldaten.Soldaten bilden Ehrenspalier Jeweils sechs Soldaten stemmen die Särge auf ihre Schultern und tragen sie aus der Kirche. Der Prozession folgen die Angehörigen, von denen viele mit ihren Tränen kämpfen, sowie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Kanzlerin Merkel. Draußen wird die Gruppe von zahlreichen Trauergästen erwartet, die Särge werden in Autos verladen und durch ein Ehrenspalier aus rund 300 Kameraden gefahren. Insgesamt geben rund 1000 Trauergäste den Soldaten ihr letztes Geleit. In der Kirche sprach Guttenberg zuvor in einer bewegenden Rede den Angehörigen sein Beileid aus. "Wir stehen erschüttert, tieftraurig und so viele auch fassungslos in dieser Kirche". Er berichtete aus dem Leben der Gefallenen, erzählte von ihren Ehefrauen und Lebensgefährtinnen und davon, dass zwei der Soldaten kleine Kinder zurücklassen. Sie alle seien so sportbegeistert gewesen. Und sie hätten ihr Leben mit anderen geteilt, fügte er mit gesenktem Kopf an. Der 35-jährige Nils B. und der 28-jährige Martin A. aus Niedersachsen sowie der aus Sachsen stammende Robert H. (25) waren im Februar nach Afghanistan geschickt worden. Am Karfreitag wollten sie nahe Kundus Minen räumen und gerieten dabei in einen Hinterhalt der Taliban. Nach Angaben von Vertretern westlicher Geheimdienste hatte ein afghanischer Doppelagent die deutschen Soldaten verraten. Guttenberg versuchte am Freitag, ihr Leben in Auszügen nachzuzeichnen. Robert H. etwa hätte nach der Heimkehr nach Deutschland mit seiner Freundin zusammenziehen wollen.Merkel spricht von ZweifelnBundeskanzlerin Merkel sagte: "Es gibt keinen Abgeordneten und kein Regierungsmitglied, das nicht schon einmal menschliche Zweifel an dem Kampfeinsatz in Afghanistan hatte. Dennoch sei der Einsatz notwendig. Schließlich werden es ihre Worte sein, die am Ende der Trauerfeier allen im Gedächtnis bleiben. "Ich verneige mich vor ihnen. Deutschland verneigt sich vor ihnen", sagte sie und trat vor jeden einzelnen Sarg, um kurz innezuhalten. Es war das erste Mal, dass sie als Kanzlerin eine Trauerfeier für gefallene Soldaten besucht. Viele hoffen, dass sie in Seedorf nicht noch einmal vor Särge von gefallenen Soldaten treten muss.