Jung zeigte sich am Sonntagabend strahlend. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir im Vergleich zum ersten Wahlgang ein paar Prozentpunkte mehr zulegen. Aber alles in allem bin ich überglücklich", sagte er.

Mit seinem jugendlichen Charme bewegt sich der 54-jährige OB Burkhard Jung sicher auf dem politischen Parkett und preist wortgewandt die Vorzüge seiner Stadt Leipzig. Trotz seiner verbindlichen Art, mit der er auch im Stadtrat auf Konsens setzt, kann Jung auch hart durchgreifen. Erfahren hat das etwa sein Beigeordneter für Kultur, Michael Faber (parteilos), dem der OB 2010 wegen Missmanagements kurzerhand die Verantwortung für wichtige Kulturstätten entzog.

Er selbst erlebte sein Waterloo 2008, als ihm die Leipziger einen Strich durch die Rechnung machten und per Bürgerentscheid die geplante Privatisierung der Stadtwerke stoppten. Privat ist Jung, den man offiziell nur wie aus dem Ei gepellt in Anzug mit Krawatte kennt, gern auch mal leger. "Ich gehe in Jeans Brötchen holen und fahre mit kurzen Hosen Rad", sagt er. Er ist seit 32 Jahren verheiratet. Das Paar hat vier Kinder. Ausgleich zum Job findet der durchtrainierte Volleyball-Spieler beim Lesen und beim Gitarre spielen. Auch Sauna sei ungemein entspannend, findet er.

Der studierte Lehrer für Deutsch und Evangelische Religion ist 1991 aus Siegen-Weidenau nach Leipzig gekommen, um das Evangelische Schulzentrum Leipzig aufzubauen. 1999 wechselte er ins Rathaus als Beigeordneter für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule. Seine Stunde schlug 2006, als sein Amtsvorgänger Wolfgang Tiefensee als Bundesverkehrsminister nach Berlin wechselte. Die Leipziger wählten Jung als Nachfolger ins OB-Amt. Am 29. März beginnt nun seine zweite Amtszeit.