Also sagt er der RUNDSCHAU, dass es doch ein wichtiges Signal sei, wenn er einen Minister, der unumstritten regiert, jetzt ziehen lässt, damit Cottbus wieder ein tatkräftiges Stadtoberhaupt erhält. Damit zeige sich doch, dass er sehr wohl um die Bedeutung der zweigrößten Stadt des Landes wisse.
Der Regierungschef und SPD-Landesvorsitzende macht gar keinen Hehl daraus, dass er einer derjenigen war, der den Entscheidungsprozess bei Verkehrsminister Frank Szymanski zu einer Kandidatur für den OB-Sessel in der Lausitzmetropole vorangetrieben hat. Es sei mit dem sich abzeichnenden Cottbuser Bündnis von CDU und PDS ein ganz neue Konstellation entstanden. Das habe von seiner Partei ein eindeutiges Signal verlangt und deswegen sei er auch froh, dass Szymanski jetzt antrete. "Ich habe ihn bestärkt, das zu tun", sagt Platzeck. Denn der Kabinettskollege habe die besseren Karten mit seiner langen Regierungserfahrung. Und Szymanski demonstriere damit, dass es Politikern eben nicht in erster Linie um den jeweils bestbezahlten Posten gehe.
Platzeck lässt erkennen, dass auch ihn die plötzliche Konfrontation in Cottbus überrascht hat. In seiner Umgebung ist mit einer Mischung von Spott und Erschrecken von der "Nationalen Front" der Rede in Anspielung auf die DDR-Parteienlandschaft mit der SED und ihren Blockparteien.
Ausführlich habe er mit dem CDU-Landeschef Jörg Schönbohm noch nicht darüber gesprochen, sagt Platzeck. Der habe ihm gesagt, es sei ja noch nichts endgültig entschieden.
In der großen Koalition in Potsdam haben die Rangeleien um die OB-Kandidatur in Cottbus jetzt schon einige Kratzspuren hinterlassen. Es wird bei der SPD darüber spekuliert, wer denn die treibende Kraft hinter dem Versuch der CDU ist, die PDS als Stimmenlieferanten zu gewinnen. Und bei der SPD fragen sich die Parteilinken, warum ausgerechnet gegen Martina Münch ein solches Bündnis gezimmert werden sollte. Die Cottbuser Landtagsabgeordnete gilt als Befürworterin einer vorsichtigen Öffnung zur PDS zumindest dort, wo inhaltliche Übereinstimmung erkennbar ist.
Die Landes-CDU wiederum gibt sich ihrerseits empört über den Kandidatenwechsel der SPD. Dies sei eine Art Wählerbetrug, so ihr Generalsekretär Sven Petke. Schließlich hätten die Sozialdemokraten die Wähler beim Abwahlbegehren im Sommer mit dem Vorschlag Martina Münch an die Urnen gelockt.
Es gehe in Cottbus gar nicht um die Landespolitik, sondern ausschließlich darum, wer am besten die Stadt voranbringe. Petke bezeichnet den Koalitionspartner in dieser Frage als führungslos. Und der neue Kandidat, der Minister im gemeinsamen Kabinett, sei in keiner Weise glaubwürdig. Er habe bis vor kurzem immer wieder erklärt, dass er in Potsdam unentbehrlich sei. PDS-Landeschef Thomas Nord sagte, die SPD habe einen Fehler gemacht, als sie sich viel zu früh auf Münch festlegte.