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Die Lausitz voll in ihrem Element

Ein Deutscher verbraucht durchschnittlich etwa 120 Liter Wasser pro Tag unter anderem zum Trinken und Duschen. Das ist jedoch nur ein geringer Teil der tatsächlichen Menge. Die liegt mittlerweile bei rund 4000 Litern pro Person und Tag. So viel "virtuelles Wasser" ist erforderlich, um die Waren zu produzieren, die die Bundesbürger täglich konsumieren.
Ein Deutscher verbraucht durchschnittlich etwa 120 Liter Wasser pro Tag unter anderem zum Trinken und Duschen. Das ist jedoch nur ein geringer Teil der tatsächlichen Menge. Die liegt mittlerweile bei rund 4000 Litern pro Person und Tag. So viel "virtuelles Wasser" ist erforderlich, um die Waren zu produzieren, die die Bundesbürger täglich konsumieren. FOTO: dpa
Cottbus. Vom Tagebau über das Seenland bis hin zum Spreewald: Die Lausitz ist ein stark vom Wasser geprägter Landstrich. Zum heutigen Weltwassertag erklärt die RUNDSCHAU die Bedeutung des nassen Elements für die Bergbauregion. Bernhard Schulz

Das Motto des diesjährigen Weltwassertags lautet "Wasser und Energie". Ein Thema, das der Lausitz wie auf den Leib geschneidert scheint. Die RUNDSCHAU beantwortet elementare Fragen dazu.

Welchen Stellenwert hat das Wasser in der Region?
Die Bedeutung erschließt sich allein schon aus dem Umfang des Gewässernetzes. In Brandenburg gibt es rund 33 000 Kilometer Fließgewässer und etwa 3000 Seen, die über Jahrhunderte hinweg verändert wurden. In Sachsen durchziehen Flüsse mit einer Gesamtlänge von knapp 24 000 Kilometern die Landschaft. Es gibt etwa 2100 Seen.

Was hat der Braunkohle-Bergbau mit dem Wasserhaushalt zu tun?
D er mehr als 100 Jahre währende Braunkohleabbau in der Lausitz hat das Wassersystem nachhaltig verändert. Noch heute werden jährlich rund 400 Millionen Kubikmeter Grundwasser abgepumpt, um die Arbeit in den fünf aktiven Tagebauen zu gewährleisten. Weniger als die Hälfte der gigantischen Menge reicht aus, um Berlin ein Jahr mit Trink- und Nutzwasser zu versorgen. Der Großteil des Grundwassers wird über rund 3000 Filterbrunnen gehoben und in sechs Grubenwasser-Reinigungsanlagen aufbereitet, erklärt Ingolf Arnold, Wasserexperte des Enerergieunternehmens Vattenfall. Anschließend nutzt der Konzern einen Teil zur Kühlung seiner Kohlekraftwerke in Boxberg, Jänsch walde und Schwarze Pumpe. Ein kleinerer Wasseranteil wird ins Südlausitzer Trinkwassernetz eingespeist. Circa 200 Millionen Kubikmeter gelangen pro Jahr in das natürliche Gewässersystem der Spree .

Welche Wasserprobleme ergeben sich aus der Kohleförderung?
No ch 1989 wurde laut Arnold die dreifache Menge Grundwasser - etwa 1,2 Milliarden Kubikmeter - für die Tagebaue abgepumpt. Mit der abrupten Stilllegung von zehn Großtagebauen zur Wende gab es Wasserüberschuss. Seit zwei Jahrzehnten nähert sich der Grundwasserspiegel langsam wieder dem Normalzustand. Im Zuge des großflächigen Wiederanstiegs gelangte Eisenhydroxid, ein Folgeprodukt in Kippenböden, über diffuse Wege in die Flüsse und färbt die Spree braun. Außerdem drohen Bergbaufolgeseen zu versauern .

Was sagt die Forschung?
" Die Verockerung und Versauerung von Gewässersystemen in der Lausitz sind nicht zuletzt das Resultat einer einseitigen Kohle- und Energiepolitik der Vergangenheit", sagt Prof. Uwe Grünewald vom Lehrstuhl Hydrologie der BTU Cottbus-Senftenberg. Er sieht noch ein hohes Forschungspotenzial zu dem Thema. Zur Lösung der Lausitzer Wasserprobleme fordert er brandenburgische und sächsische Akteure auf, sich in einem länderübergreifenden Wirtschaftsverband zu organisieren .

Wer kümmert sich um die Folgen der Veränderung?
Di e Bergbausanierer von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) versuchen nach wie vor einen weitestgehend selbst regulierenden Wasserhaushalt in den Braunkohlenrevieren wiederherzustellen. Mit Wasser aus der Spree, Neiße oder Schwarzen Elster werden entstehende Bergbaufolgeseen geflutet. Für die Flutung im Lausitzer Revier wurden allein 2013 rund 74 Millionen Kubikmeter genutzt, erklärt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber .

Wie sieht die Zukunft aus?
Z wischen Berlin und Dresden entsteht durch die Flutung früherer Tagebaue eine spektakuläre Wasserwelt mit mehr als 20 künstlichen Seen. Das Lausitzer Seenland wächst somit zu einer vielfältigen Urlaubslandschaft heran, sagt Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des gleichnamigen Tourismusverbandes. In wenigen Jahren sollen zehn Seen durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden sein. "Allein deren Fläche ist etwa zweieinhalbmal größer als die Dresdner Innenstadt", erklärt Winkler. Ihr Verband arbeitet am Ausbau der touristischen Vermarktung der Region "am, auf und im Wasser ".

Wo gibt es in der Lausitz außerdem noch Wassertourismus?
Ein traditioneller Tourismusmagnet ist das idyllische Wasser-Labyrinth des Spreewalds. Allerdings sind nur knapp 300 der rund 1600 Kilometer langen Fließe schiffbar und für große Kähne geeignet. In dem Biosphärenreservat gibt es rund 6000 Tier- und Pflanzenarten. "Die einzigartige, von Fließen geprägte Landschaft fasziniert pro Jahr mehr als eine halbe Million Gäste", sagt Edith Seemann, Sprecherin des Tourismusverbands Spreewald. Ein Problem hält die Urlaubsregion aktuell aber in Schach: Es gibt nur eine sehr geringe Niederschlagsmenge von jährlich etwa 560 Millimetern.

Welche Erschwernisse gibt es rund ums Wasser noch?
V or allem die Flussgebiete Oder, Elbe und Spree bestimmen das Hochwassergeschehen. Zuletzt hielt das Juni-Hochwasser 2013 die Lausitzer in Atem. Allein die Schäden in der brandenburgischen Landwirtschaft werden auf rund 24 Millionen Euro geschätzt, hieß es aus dem Potsdamer Agrarministerium. 330 Betriebe haben eine Entschädigung erhalten .

Zum Thema:
Wasser ist die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Um auf die Bedeutung dieser wichtigen Ressource aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen Ende 1992 den 22. März zum Weltwassertag erklärt. Ein Kubikmeter Trinkwasser kostet in Deutschland im Schnitt 1,69 Euro. Ein Durchschnittshaushalt zahlte nach den Modellrechnungen der Statistiker 2013 für 80 Kubikmeter Trinkwasser inklusive Grundgebühr 206,18 Euro.Hamburger, Pommes und Softdrink: Schon die Produktion eines einzigen Fast-Food-Menüs verbraucht nach WWF-Berechnungen 6000 Liter Wasser, rechnet man Anbau von Kartoffeln und Getreide, Viehfütterung und Getränkeherstellung zusammen. Gleichzeitig haben weltweit 780 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser. Rund 2,6 Milliarden Menschen leben nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF derzeit ohne grundlegende Sanitäreinrichtungen. In Entwicklungsländern werden noch 80 bis 90 Prozent der Abwässer ungeklärt eingeleitet. Mehr als 70 Prozent der Erde sind von Wasser bedeckt, doch nur drei Prozent sind trinkbares Süßwasser, und davon ist wiederum nur ein Prozent erreichbar.