Es ist ein Treffen der Gutwilligen. Im Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrum (MAFZ) in Paaren Glien trafen sich an die 100 Experten und Enthusiasten in Sachen Elektromobilität.

Einer von ihnen ist Hans Kurtzweg. Der Mitbegründer der "Interessengemeinschaft Elektromobilität" in Brandenburg ist ein begeisterter Elektroauto-Fahrer. Angereist ist er aus Trebbin (Teltow-Fläming) natürlich vollelektrisch. Der Versicherungsmakler fährt einen Tesla Roadster. Der zweisitzige Sportwagen war im Jahr 2008 weltweit der erste rein elektrisch betriebene Pkw und wurde zusammen mit der Sportwagenschmiede Lotus entwickelt.

Kurtzweg ist wieder mal genervt. Denn die erste Frage, die ihm jedes Mal gestellt wird, wenn es um sein Auto geht, ist die nach der Reichweite seines Flitzers. "Mann, das ist ein Auto, das richtig Spaß macht und noch dazu die Umwelt schont!", kontert Kurtzweg. Zweifellos macht ein fast lautloser Sportwagen, der in 3,7 Sekunden von null auf 100 beschleunigt, richtig viel Spaß. Und tatsächlich ist der Tesla-Fan aus Trebbin auch schon 400 Kilometer mit einer Batterieladung gefahren.

Nur die halbe Wahrheit

Tatsächlich fragt sich jeder Neugierige, der sich mit Hans Kurtzweg nur einige Minuten über Elektroautos unterhält, warum er selbst überhaupt noch ein Auto mit Verbrennungsmotor in der Garage hat. Der redselige Tesla-Fahrer schafft es nämlich mühelos, den Eindruck zu erwecken, als fahre er fast umsonst Auto. Da sei der "kostenlose" Strom, aus den Solarzellen auf dem Dach seines Hauses. Und überhaupt stünden die meisten Autos statistisch ja 23 Stunden pro Tag nur auf dem Parkplatz. "Da ist genug Zeit zum Laden", doziert Kurtzweg.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Für sein Tesla Spaß-Mobil dürfte der Elektroauto-Fan zuerst einmal ziemlich tief in die Tasche gegriffen haben. Die Preise liegen derzeit auf dem Gebrauchtwagenmarkt zwischen 26 000 und fast 77 000 Euro. Nach Herstellerangaben soll ein Batteriesatz etwa 160 000 Kilometer oder sieben Jahre durchhalten. Der Austausch der Kraftpakete schlägt dann locker mit 10 000 Euro zu Buche. Hinzu kommt die bisher noch dürftige Infrastruktur bei den Ladestationen für E-Mobile in der Provinz.

Derzeit angebotene Klein- und Kleinstwagen mit rein elektrischem Antrieb sind nicht nur relativ teuer, sondern haben auch nur Reichweiten von 100 bis 150 Kilometern.

Das sind keine Werte, die für viele Berufspendler akzeptabel wären, weil sie meist nicht aus reinem Spaß am Fahren jeden Tag die Weiten Brandenburgs oder Sachsens durchmessen.

Jörg Welke, Sprecher des emo-Netzwerkes in Berlin, das sich als landeseigene Agentur um das Elektromobilitäts-"Schaufenster" in der Hauptstadt kümmert, glaubt trotzdem, dass im Jahr 2015 eine "Markthochlaufphase" in Sachen Elektroautos beginnt. "Die Autoindustrie wird sich so stark verändern wie in den zurückliegenden 100 Jahren nicht", ist Welke sicher. Der Mann muss Berufsoptimist sein.

Derzeit fahren in Berlin etwa 700 reine Elektroautos. Die meisten davon haben Carsharing-Anbieter angeschafft. Sie nutzen finanzielle Fördermöglichkeiten und Steuervergünstigungen zum Aufbau ihrer E-Flotten.

In Brandenburg sind nach Angaben des Clusters "Elektromobilität" gerade mal 177 Elektro-Pkw angemeldet. Sachsen meldet ungefähr doppelt so viele vollelektrische Autos.

Wer mit einem der handelsüblichen E-Pkw von Cottbus in die Hauptstadt fahren will, kommt wahrscheinlich ans Ziel. Doch er muss einige Stunden Ladezeit einplanen, um von Berlin auch wieder nach Hause fahren zu können.

Das ist ein Grund dafür, dass E-Autos in Brandenburg nach wie vor Seltenheitswert haben.

In Sachen Elektromobilität setzt Brandenburg deshalb auf einen ganz anderen Wachstumsmarkt. Ein echter Boom hat sich nämlich bei den Pedelecs entwickelt. Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist eine spezielle Ausführung eines Elektrofahrrads, bei dem der Fahrer von einem Elektroantrieb unterstützt wird, wenn er in die Pedale tritt.

Radeln zum nächsten Bahnhof

Vor allem Tourismusvereine haben den Markt für sich entdeckt. Vorreiter ist dabei der Tourismusverband Dahme-Seen. Aber auch Touristiker im Lausitzer Seenland und im Spreewald setzen auf den Trend zum leichten Radeln mit großen Reichweiten von bis zu 100 Kilometern.

Hoffnungsvoll gestartet ist im südlichen Berliner Speckgürtel außerdem das Projekt "eBike pendeln". Dabei bekommen Berufspendler aus den hauptstadtnahen Regionen kostengünstige Miet-Pedelecs, mit denen sie von zu Hause zum nächsten Bahnhof radeln können.

Sonst setzt Brandenburg, übrigens genau wie Sachsen, in Bezug auf E-Mobilität vor allem auf einzelne Leuchtturm-Vorhaben. Die meisten davon sind noch im Experimentierstadium. Zu ihnen gehört der größte E-Truck Europas. Das Konzept wurde an der Technischen Hochschule Wildau entwickelt. Der Lkw, der bis zu 25 Tonnen transportieren kann, wird seit dem Sommer im Berliner Westhafen eingesetzt. Ab Januar soll er dann fast lautlos mit Containern durch die Berliner Innenstadt rollen.

Auch in der Lausitz wird mit der Elektromobilität experimentiert. Aus der BTU Cottbus-Senftenberg beispielsweise kommt das Projekt "eSol-Car". Es nutzt Elektroautos nicht nur für den Transport, sondern - im Stand - auch als Speicher für ökologisch erzeugten Strom.

Bei den sächsischen Nachbarn fahren im Land schon 50 Hybridbusse. Sie aber sind noch mit einem kleinen Verbrennungsmotor ausgestattet, um die Batterien während der Fahrt zu laden.

Große Hoffnungen setzen nicht nur begeisterte Elektromobilisten wie Hans Kurtzweg aber auf ihre amerikanische Vorzeige-Elektroautomarke Tesla. Aktuell verkauft das Unternehmen sein "Model S" auch in Berlin und Brandenburg. Der Kundenkreis ist begrenzt, denn die Luxuslimousine mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern kostet mindestens 67 000 Euro. In zwei Jahren aber will die Firma mit dem kleineren "Modell Free" ein alltagstaugliches Elektroauto auf den Markt bringen, das "schon" ab etwa 36 000 Euro zu haben ist.

Dicke Kabel im Eigenheim

Eigenheimbesitzer und Bauherren, die sich ihre mobile Zukunft angesichts solcher Aussichten schon elektrisch vorstellen können, sind dabei aber gut beraten, das Stromnetz ihres Häuschens nicht allzu minimalistisch auszulegen. Während Eigenheim-Elektroanlagen derzeit auf Stromstärken von etwa acht Ampere ausgelegt sind, werden für eine leistungsstarke häusliche Auto-Schnelllade-Station etwa 30 Ampere gebraucht.