Schwarzbach-Biehlen: Die Gemeinde Schwarzbach und das kleine Dorf Biehlen gehören zusammen. Dort leben rund 800 Einwohner. In der Region sind es die beiden Dörfer mit den meisten Pferden. Etwa 50 gibt es, vom Pony bis zum edlen Reitpferd. Nur wer die Tiere liebt, liebt auch die Menschen. Die Menschen sind hier besonders nett zueinander.

Probleme: Es ist nicht leicht, eine Gemeinde mit zwei Ortsteilen zu lenken. Obwohl wir es versuchen, lässt sich das Geld nicht jedes Jahr zwischen beiden gleich aufteilen. Deshalb entsteht manchmal Neid. Ich ärgere mich, dass wir im vergangenen Jahr eine halbe Million Euro Fördermittel zurückgeben und den Dorfanger aus eigenen Mitteln finanzieren mussten - nur weil einige Bürger das Projekt blockiert haben. Große Probleme haben wir bei uns aber nicht. Die kleinen entstehen im Alltag, ob es ein Loch in der Straße oder ein umgefallener Baum ist - da greifen dann Helfer ein.

Heimat: Das ist ein Stück Land, wo ich mich zu Hause fühle. Schwarzbach ist meine Heimat, obwohl ich ein paar Kilometer weiter in Jannowitz geboren und aufgewachsen bin. Auch wenn ich für manche Schwarzbacher eine Zugezogene bleibe.

Lausitz: Sie ist ein wunderschönes Stück Land mit zwei Gesichtern. Der Bergbau und die Natur haben sie geprägt. Mir gefallen die Wälder und das Urtümliche. Genau wie auch die neue Landschaft, die mit den Seen entsteht. Die Lausitz bedeutet aber auch, hier lebt ein besonderer Menschenschlag: gastfreundlich, aufgeschlossen, sehr direkt. Was den Leuten auf der Seele brennt, das sprechen sie aus.

Freizeit: Meine Freizeit ist durch meine Arbeit als Schulleiterin und das Bürgermeisteramt knapp bemessen. Oft gehe ich im Wald spazieren. Ebenso gerne gehe ich einkaufen. Dann bummele ich in einer Großstadt durch die Geschäfte, meist ohne etwas zu kaufen. Aber ich sehe mir gerne an, was es dort gibt.

Hobby: Ich singe im Chor. An einem langen, stressigen Tag ist das Singen mit lebensfrohen Menschen ein schöner Ausgleich. Außerdem bin ich Mitglied im Dorfclub Schwarzbach. Wir organisieren Feste. Strategisch zu planen und die Ideen umzusetzen, das macht mir Spaß.

Freunde: Sie sind etwas sehr Wertvolles. Sie sind für mich da, wenn ich sie brauche. Gerade in Zeiten von Niederlagen, wenn man traurig ist, Probleme hat, beweisen sich richtige Freunde.

Essen: In dieser schnellebigen Zeit ist das Essen im Alltag oft etwas, das keine große Rolle spielt. Aber ich genieße es auch, richtig gut zu kochen. Und wenn ich ausgehe, dann am liebsten zum Griechen.

Kochen: Ich mag es, für die Familie oder für Freunde Menüs zu kochen. Am 1. Weihnachtsfeiertag zum Beispiel bereite ich den Gänsebraten für meine Familie zu. Ich denke, ein Meisterkoch macht es nicht viel besser. Bei meinem Vater habe ich viele exotische Gerichte kochen gelernt. Ich experimentiere sehr gern mit Gewürzen.

Urlaub: Der ist in der Vergangenheit zu kurz gekommen. Im Herbst habe ich gemerkt, dass ich nicht nur arbeiten kann. Also habe ich eine Woche lang Thüringen erwandert. Obwohl ich eigentlich der Wassertyp bin. Ich mag die Länder in Ost- und Südosteuropa und bin gerne in Griechenland und in der Türkei gewesen.

Sport: Als Ausgleich zum langen Sitzen gehe ich viel spazieren. Und im Fernsehen sehe ich unheimlich gerne Biathlon. Vergangenen Winter war ich in Oberhof, um mir einen Weltcup anzusehen. Dass die Sportler nach dem Laufen den Körper plötzlich zur absoluten Ruhe zwingen müssen, das ist faszinierend. Und wie schwer das ist weiß ich aus eigener Erfahrung im Sportschießen.

Kohle: Sie abzubauen bringt Arbeit, aber zerstört Landschaft, die dann neu gestaltet wird. Ich denke dabei an die zwei Gesichter der Lausitz. An Erholung am Senftenberger See, aber auch an Männer und Frauen mit sicheren Arbeitsplätzen im Bergbau. Wir müssen die Ressourcen, die die Natur uns gibt, nutzen. Mit Kraftwerken, die relativ umweltfreundlich sind.

Klima: Die Klimaveränderung erleben wir täglich. Geredet wird viel darüber, aber es wird zu wenig getan. Wir versuchen, die Kinder in der Schule umweltbewusst zu erziehen. Sie erleben die Zerstörung sehr bewusst und sie haben Angst um ihre Zukunft. Sie sagen: Warum habt Ihr Erwachsenen das gemacht„ Die Frage bewegt mich, aber ich habe keine Antwort. Es gibt diesen indianischen Spruch: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet ist, werdet ihr begreifen, dass man Gold nicht essen kann.“

Kinder: Meine zwei Söhne sind 30 und 25 Jahre alt. Sie leben und arbeiten beide in Dresden. Der Große ist Chemiker, der andere Heilerziehungspfleger. Ich bin froh, dass sie in meiner Nähe wohnen. Kinder sind das Beste, was einem Menschen widerfahren kann. Die eigenen und die Kinder in der Schule. Es gibt nichts Schöneres, als sie lachen zu sehen.

Gott: Gott ist für mich Glauben. In schweren Stunden des Lebens sucht der Mensch im Glauben Halt zu finden - egal in welcher Religion. Ob man die Eltern verliert oder ein Freund aus dem Leben gerissen wird, da kommt die Frage nach dem Warum. Ich denke, dass man durch solche Erfahrungen gestärkt und bewusster das Leben bewältigt.

Schicksal: Ich weiß nicht, ob es Schicksal gibt. Manchmal denke ich, dass alles vorbestimmt ist. Es gibt Situationen im Leben, da frage ich mich: Warum bin ich diesem Menschen begegnet, warum ist das mir passiert“ Vielleicht gibt es jemanden, der dein Leben bestimmt. Ich lese viel darüber, trotzdem kann mir diese Frage niemand beantworten.

Globalisierung: Alles wird größer, alles ist schnell erreichbar. Die Globalisierung bringt sicher viele Vorteile. Aber mir macht sie auch Angst. Denn sie geschieht auf Kosten von Menschen und der Natur. Manchmal fürchte ich, dass Jugendliche zwar das Internet perfekt bedienen, aber in einer Notsituation nicht in der Lage sind, ein Feuer anzuzünden.

Kultur: Sie macht Spaß und bereichert. Ich liebe Kultur. Ob Tanzen gehen, klassisches Konzert oder Theater. Dort mag ich Humorvolles genauso wie Tragödien. Ich versuche auch in der Gemeinde, die Bürger mitzunehmen, indem wir mit dem Dorfclub Kultur herholen. Und zum Dorffest spielen wir selbst Theater.

DDR: Mit der DDR verbinde ich meine schöne Kindheit und Jugend. Wir drei Mädchen hatten ein wundervolles Elternhaus. Wir wurden offen erzogen, sollten über die Dinge nachdenken. Ein negatives Erlebnis hatte ich in der Schule: Ich wurde gezwungen, mit Rechts zu schreiben, obwohl ich Linkshänderin bin.

Zukunft: Ich möchte gesund alt werden und geistig und körperlich fit bleiben. Ich wünsche mir, dass meine Söhne ihren Weg weiter erfolgreich gehen, dass sie Familien gründen. Für die Schule hoffe ich, dass sie sich zu einer der schönsten Deutschlands entwickelt. Und für die beiden Dörfer wäre es schön, wenn wir alle geplanten Baumaßnahmen realisieren könnten. Vom Land und Bund wünschte ich mir mehr Unterstützung für die Arbeit in den kleinen Gemeinden. Etwa, indem Schlüsselzuweisungen erhöht werden.

Träume: Ich wünsche mir, dass die Welt im Kleinen wie im Großen gerechter wird. Dass die Not verschwindet. Denn Geld gibt es genug, es ist nur ungerecht verteilt.

AUFGESCHRIEBEN
von Christina Dirlich