Die Menschen wollen wissen, wie die Zukunft aussieht für ihre Heimatregion. Und sie wollen es erst recht wissen, wenn die Aussichten ungewiss sind, wenn die allermeisten statistischen Kurven von Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung eher nach unten als nach oben zeigen.

Am Freitagabend ging es beim "Scheunen-Talk" des Staatstheaters in der Theaterscheune im Cottbuser Stadtteil Ströbitz um das Thema "Lausitz 2030". Die Plätze reichten kaum in dem kleinen, gemütlichen Saal, in dem die muntere Debatte über die Bühne ging.

Moderator Jens-Uwe Hoffmann hatte bei der Auswahl seiner Gesprächspartner bewusst auf die Abteilung Attacke gesetzt.

Da saßen sich mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Kohlelobbyisten Ulrich Freese und der bekanntesten Kohlegegnerin der CDU, Monika Schulz-Höpfner aus Atterwasch (Spree-Neiße), schon einmal zwei Kampfhähne gegenüber, die sich seit jeher nichts schenken.

Und da war es schlau, dass mit dem Geschäftsführer des Carl-Thiem-Klinikums Dr. Andreas Brakmann und RUNDSCHAU-Chefredakteur Johannes M. Fischer auch zwei auf dem Podium Platz genommen hatten, bei denen es in der täglichen Arbeit zwar auch um Zukunft, aber nicht ausschließlich um "Kohle" geht.

Trotzdem: An der "Kohle" führt bei einer Zukunftsdebatte in der Lausitz kein Weg vorbei. Und dabei geht es nicht nur um das "schwarze Gold", sondern auch um die Finanzen, die notwendig sind, um im Süden Brandenburgs irgendeinen Strukturwandel zu vollenden.

Natürlich kamen auch am Freitagabend in Ströbitz viele der altbekannten Argumente von Braunkohlegegnern und -befürwortern auf den Tisch. Deutlich geworden ist bei diesem "Scheunentalk" aber auch, dass es in der Lausitz um viel mehr geht als um die Frage, wie viele Tagebaue noch wie lange produzieren. "Wenn wir weiter so leben wollen, wie wir jetzt leben, dann brauchen wir hier Zukunftstechnologien", forderte Johannes M. Fischer. Und Andreas Brakmann ist überzeugt davon, dass auch ein erfolgreicher Start des BER direkte Auswirkungen auf die Zukunft der Lausitz hat.

"Zukunft braucht vor allem eine offene und ehrliche Debatte darüber, was wir eigentlich wollen", ist Professor Matthias Koziol sicher. Den BTU-Wissenschaftler hatte Jens-Uwe Hoffmann als intellektuelle Instanz und als wissenschaftlichen Experten eingeladen. Koziol warb um einen ideologiefreien, offenen Blick auf die Realitäten. In Sachen Energiewende gehe es zuerst um neue Speichertechnologien. Und was die Lausitz betrifft, dürfe man eben im Einzelfall auch die Augen nicht vor schmerzhaften Einschnitten verschließen. "Wenn der Anlass für eine Siedlung nicht mehr gegeben ist, dann hat sie keine Existenzberechtigung mehr", sagte der Leiter des BTU-Lehrstuhls Stadttechnik.

Trotz aller Kontroversen: Am Ende der munteren Diskussion in der Ströbitzer Theaterscheune bleibt für die "Lausitz 2030" vor allem eines, nämlich Optimismus. Da sieht Ulrich Freese eine infrastrukturell bestens erschlossene Region, die auch dann noch Kohle und Energie liefert. Monika Schulz-Höpfner sieht intakte dörfliche Strukturen mit Tourismus und Natur statt Kohlebaggern. Johannes M. Fischer setzt auf engagierte Menschen und auf Politiker, die über den Tellerrand einer Legislaturperiode hinausschauen. Und Fußballfan Andreas Brakmann ist optimistisch, dass der FC Energie 2030 um den Meistertitel kämpft.

Zum Thema:
Alle Gastbeiträge und Analysen der Zukunftsdebatte "Lausitz 2030" sind kompakt auf der Internetseite der RUNDSCHAU nachzulesen. Mischen Sie sich ein: lr-online.de/lausitz 2030