In der Reinigungsanlage der Landskron-Manufaktur reiht sich Flasche an Flasche. Hier und da tauchen schon die neuen, die sogenannten Longneck-Flaschen auf. "In sechs bis acht Wochen, so denke ich, haben wir die Umstellung komplett hinter uns", erklärt Matthias Grall, Braumeister und Geschäftsführer, Medienvertretern bei einem Betriebsrundgang. "Wir sind der letzte Dinosaurier, der auf diese Flaschen setzt", weiß der Fachmann. Dieser Schritt wird zur Folge haben, dass das Leergut deutlich vereinheitlichter wird und leere Flaschen im Lande nicht unnötig hin- und hergefahren werden müssen.

Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass Lands kron nun deutlich heller und klarer daherkommt, was das Etikett betrifft. "Wir sind jetzt nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich ein Leckerbissen", findet Manfred ten Bosch, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb. Vor knapp 14 Tagen seien die neuen Flaschen mit neuem ausdrucksstarken Etikett ausgeliefert worden. "Wir haben fast nur positive Rückmeldungen", so ten Bosch.

Den Schritt selbst habe man sich nicht leicht gemacht. "Es ist wie der Tanz auf der Rasierklinge. Wie modern kann man werden, ohne den Stammkunden zu verlieren?" Dieser Frage habe man sich im Betrieb gemeinsam mit der Eigentümer-Familie von der Dr.-Lohbeck-Gruppe akribisch stellen müssen.

Warum ist der Schritt aber überhaupt erfolgt? Das Erscheinungsbild der Marke war nicht mehr zufriedenstellend. Kunden- und Nichtkunden nahmen Lands kron als zu bieder, angestaubt und zu wenig profiliert wahr. Die Firma wollte, dass die Kunden ihr den Spiegel vorhalten, und hatte eine Firma in Dresden mit einer Marktanalyse beauftragt. Positiv war, so Markus Schoebel, Generalbevollmächtigter der Dr.-Lohbeck-Gruppe, dass die Marke intakt sei und eine hohe Akzeptanz genieße. "Doch die Markenbekanntheit nimmt auf größere Entfernung zum Produktionsstandort ab." Dabei will Landskron als ostdeutsches Produkt noch mehr wahrgenommen werden. Zielmärkte sind Westsachsen, Thüringen und Brandenburg.

Aber auch der Absatz in Polen, dabei vor allem in Schlesien, entwickle sich gut. Schwerpunkt ist dabei der Ausschank in der Gastronomie. Laut Schoebel habe man in diesem Jahr dort 40 Prozent mehr Absatz erzielt.

Insgesamt kommt das Unternehmen für das Jahr 2015 auf rund 150 000 Hektoliter. Das sei die gleiche Menge wie im Vorjahr. Und das bei rückläufigem Pro-Kopf-Bierverbrauch.

Zum guten Absatz tragen auch die Craftbiere bei. Die Edition Nummer vier trägt den Titel Wiener-Kaffee. Braumeister Matthias Grall lässt sich bei seinen Touren mit dem Motorrad von den Küchen der jeweiligen Länder inspirieren. In diesem Jahr war es das Kaffeehaus in Österreich.

Unabhängig von der besonderen Edition bietet Landskron zwölf Biersorten und die rote Fassbrause an. In der Manufaktur, die es seit dem Jahr 1869 in Görlitz gibt, sind 70 Mitarbeiter beschäftigt.