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| 01:29 Uhr

Die Laga war wie ein Lotteriegewinn

Für Harry Müller sind die Spuren der La ga 2000 heute überall in Luckau sichtbar.
Für Harry Müller sind die Spuren der La ga 2000 heute überall in Luckau sichtbar. FOTO: Archivfoto: T. Winkler
Die Spuren der Landesgartenschau (Laga) im Jahre 2000 in Luckau (Dahme-Spreewald) sind heute unübersehbar: gehobene Infrastruktur, intakter historischer Stadtkern, hochwertiges Wohnumfeld mit Gärten und Parks. Dazu habe die Stadt mit dem Erfolg der Laga eine beträchtliche Rücklage bilden können, erläutert Bürgermeister Harry Müller (parteilos) im RUNDSCHAU-Interview. Das Geld sei demnach in der Laga-GmbH geblieben und bilde auch im achten Jahr danach den Grundstein für einen guten Pflegezustand, was Besucher anlocke. Archivfoto: T. Winkler


Herr Müller, der intensive Kraftaufwand für die Vorbereitung einer Laga lohnt sich also auch für die Zukunft„
Auf jeden Fall. Was ich bei der Laga-Bewerbung noch gar nicht so absehen konnte: Auch mental ist durch die Stadt ein Ruck gegangen. Aus der auch in Luckau damals verbreiteten Lamorianz hat sich ein sehr positiver Bürgersinn entwickelt. Der zu dieser Zeit ausgeprägte Sinn für Ordnung, Sauberkeit und Freundlichkeit ist vielen Bürgern nie wieder abhanden gekommen. Als Kommune werden wir aber auch von den Luckauer Bürgern gefordert, dass wir im Gartenschau-Level weitermachen.

Haben die Luckauer ihre Stadt neu entdeckt“
Vielleicht. Es lebt sich hier einfach ganz charmant. Ausdruck dafür ist auch, dass trotz der Verlagerung von Behörden im Zuge der Kreisneugliederung weder Lehrer noch Ärzte noch Kreisbeamte aus Luckau weggezogen sind. Also: Trotz der Schinderei im Vorfeld einer Laga kann ich nur dazu ermutigen, es zu tun. Es lohnt sich.

Am 20. April feiert Luckau Tulpenfest, vorbereitet von der Laga-GmbH. Für Veranstaltungen im Jahr kann man sich mit der Laga-Card Rabatte sichern. Von ihrer Laga lässt die Stadt offenbar nicht mehr ab„
Ja, sie ist zur Marke und zum Leitbild geworden. Die "Gartenstadt Lu ckau" wird bei uns gelebt.

Wo stünde Luckau heute aus Ihrer Sicht im Stadtumbau ohne den Ruck des Jahres 2000“
Um unsere Hauptausstellungen am Schlossberg und der Südpromenade zu erreichen, musste der Besucher durch die Innenstadt. Deshalb stand für uns fest: Der historische Stadtkern musste saniert werden. Mit der Laga war es leichter, Städtebaufördermittel zu erhalten. Ich denke, was wir damals in zwei Jahren Laga-Vorbereitung für die Stadtentwicklung erreicht haben, dafür hätten wir sonst zehn Jahre gebraucht.

Wie bewerten Sie es vor diesem Hintergrund, dass sich das Land immer mehr aus der Laga-Förderung zurückziehen will„
Es hat nie eine Spezialförderung für Landesgartenschauen gegeben. Schon bei der ersten Ausschreibung 1996 hieß es, dass die Förderung aus den vorhandenen Töpfen des Landes, des Bundes und der EU erfolgt. Das ist auch bei uns so geschehen. Andere Länder arbeiten mit einer Pauschale für den Ausrichter, der dann etwas daraus machen muss. Das mag etwas komfortabler sein gegenüber unseren 114 Förderanträgen, die wir in Vorbereitung der ersten Laga in Brandenburg in fünf verschiedenen Ministerien gestellt hatten. In dem Bran denburger Weg besteht aber auch die Chance, etwas über eine Pauschale hinaus akquirieren zu können.

Ist eine Laga ein finanzielles Wagnis für eine Kommune“
Die Stadt sollte nicht zu klein und nicht arm sein. Denn das wird sie mit Sicherheit durch die Gartenschau. Eine Tücke ist sicherlich der Durchführungshaushalt, wenn Verträge eingegangen werden müssen, ohne dass Einnahmen da sind. Wir hatten beschlossen, dafür kein Darlehen aufzunehmen. So waren wir vorübergehend bettelarm. Weil die Laga dann von den Besuchern angenommen wurde, war sie letztlich auch ein finanzieller Erfolg. Ich sage offen und ehrlich: Für Luckau war und bleibt die Laga 2000 wie ein großer Lotteriegewinn.

Mit HARRY MÜLLER
sprach Christian Taubert