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Die kubanische Revolution feiert ihren 50. Geburtstag

Es war ein Himmelfahrtskommando. 78 junge Idealisten stürmten im Morgengrauen des 26. Juli 1953 die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba, um 800 Soldaten im Schlaf zu überwältigen, das Volk zum Aufstand zu bewegen und den Staat vom Tyrannen zu befreien. Von Klaus Blume

Der Coup schlug fehl, die meisten der Angreifer wurde nach ihrer Gefangennahme ermordet und der Rest zu hohen Haftstrafen verurteilt. Wenn man heute noch davon spricht, dann deshalb, weil der Anführer der Revolutionäre überlebte und sein Ziel einige Jahre später doch noch erreichte.
Sein Name ist Fidel Castro und heute wird der kubanische Staats- und Parteichef wieder auf dem Balkon der einstigen Kaserne in Santiago de Cuba stehen, um zu seinem Volk zu sprechen. Dieses Jahr jährt sich zum 50. Mal die verwegene Tat, die als der Beginn der kubanischen Revolution gilt. Castro wurde seinerzeit zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Doch der Diktator Fulgencio Batista verfügte schon nach zwei Jahren eine Amnestie. Castro ging ins Exil nach Mexiko, kehrte mit 81 Mitkämpfern heimlich nach Kuba zurück, begann einen Guerillakrieg und zwang schließlich, am 1. Januar 1959, Bastista zur Flucht ins Exil. Seitdem herrscht er über Kuba.
"Verurteilt mich, die Geschichte wird mich freisprechen", lautete das Schlusswort von Castros Plädoyer im Moncada-Prozess im Oktober 1953. Darüber, ob die Geschichte dies tun wird, gehen die Meinungen seither auseinander. Die USA versuchen seit mehr als 40 Jahren vergeblich, ihn mit einem Wirtschaftsembargo in die Knie zu zwingen, und Hunderttausende von Exilkubanern wünschen nichts sehnlicher als Castros Tod. Doch in ganz Lateinamerika hat der "Máximo Líder" noch Millionen von Anhängern. Sie bewundern ihn, weil er dem mächtigen Nachbarn im Norden die Stirn bietet.
Als vor 14 Jahren die Berliner Mauer fiel und die kommunistischen Systeme eines nach dem anderen zusammenbrachen, sagten Buchautoren vorschnell "Castros letzte Stunde" voraus. Ohne die sowjetische Unterstützung stürzte Kuba in eine existenzielle Krise. Sie zwang Castro vor zehn Jahren Wirtschaftsreformen einzuleiten. Dazu zählten die Legalisierung des Dollarbesitzes sowie die Zulassung selbstständiger Arbeit und freier Bauernmärkte. Inzwischen hat sich die Versorgungslage, trotz weiter gravierender Probleme, zumindest etwas gebessert.
Unter den Kubanern scheint noch immer die Zustimmung zu dem charismatischen Führer zu überwiegen. Als Erfolge der Revolution werden vor allem das Schulsystem und das kostenlose Gesundheitswesen genannt. Vor der Revolution gab es in Kuba nach offiziellen Zahlen 6000 Ärzte, von denen 3000 in die USA flüchteten. Heute sind es 50 000. Ältere Kubaner, die aus bäuerlichen Verhältnissen stammen, erlebten die Revolution als sozialen Aufstieg. Die Verlierer der Revolution - wohlhabende Kubaner - sind in ihrer Mehrzahl ausgewandert. Und den Bürgern auf der Insel zeigen die staatlichen Medien ein einseitig negatives Bild des kapitalistischen Auslands.
Die Regimekritiker prangern vor allem das Fehlen politischer Freiheiten und den wirtschaftlichen Niedergang des Landes an. Nur wenige wagen es, offen ihre Meinung zu sagen, nachdem erst im April dieses Jahres 75 Dissidenten zu drakonischen Haftstrafen verurteilt wurden.
Der Menschenrechtler Elizardo Sánchez geht mit Castro hart ins Gericht: "Beim Pro-Kopf-Einkommen war Kuba in den 50er-Jahren eines der reichsten Länder Lateinamerikas. Heute machen wir uns mit Haiti, Honduras und Bolivien die letzten Plätze streitig."