Die Muslimbruderschaft: Die 1928 gegründete Muslimbruderschaft ist die größte islamistische Bewegung Ägyptens. Sie hatte Mohammed Mursi als Kandidaten für das Amt des Präsidenten aufgestellt. Die Islamisten waren unter Präsident Husni Mubarak verboten. Sie schafften es jedoch trotz jahrzehntelanger Illegalität, eine straffe, hierarchische Organisationsstruktur aufzubauen und zunehmend Einfluss in der Gesellschaft zu gewinnen. Ägyptische Beobachter gehen davon aus, dass Mursis Politik vom Führungsgremium der Bruderschaft (Irschad-Büro) mitbestimmt wird.

Die Salafisten: Radikaler als die Muslimbruderschaft sind die Salafisten. Die Bewegung trägt den Kurs Mursis zwar weitgehend mit, will aber eigentlich einen islamischen Gottesstaat. Mit der Partei des Lichts waren die Salafisten im ersten Parlament nach dem Sturz Mubaraks die zweitstärkste Kraft. Vor dem Arabischen Frühling hatten die radikalen Islamisten ein politisches Wirken als unislamisch abgelehnt und sich auf gesellschaftliche Arbeit beschränkt. Deshalb waren sie damals nicht verboten gewesen.

Al-Azhar: Das Al-Azhar-Islam-Institut soll Einfluss gewinnen. Viele Religionsgelehrte unterstützen den Präsidenten daher. Der aktuelle Verfassungsentwurf räumt ihnen ein Mitspracherecht bei der Gesetzgebung ein. Die Institution Al-Azhar - mit Moschee und Universität - ist seit Jahrhunderten die wichtigste Stätte für die sunnitischen islamischen Gelehrten. Die Scheichs klären bei Streitfragen, was islamisch ist und was nicht, sie gelten als letzte Instanz. Unter Mubarak waren sie schrittweise entmachtet worden.

Bündnis der neuen Gegner: Gegen die Machtausweitung der Islamisten stellen sich mehrere unterlegene Präsidentschaftskandidaten. Zu ihnen gehören der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, der vor allem bei der städtischen Jugend und den Sozialisten beliebte linke Aktivist Hamdien Sabahi und Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei, der seine Kandidatur vor der Wahl zurückgezogen hatte. Ein Nachteil der neuen Gruppierungen ist, dass sie noch wenig etabliert und organisiert sind. Mussa wird von vielen Ägyptern als Vertreter des alten Regimes gesehen. El Baradei ist zwar international der bekannteste, gilt aber im Land als westlicher Politiker, der die Probleme der Menschen nicht kennt.

Alte Gegner: Vertreter des alten Mubarak-Systems werden in Ägypten "Fulul" genannt, Überreste. Ihr wichtigster Vertreter ist der ehemalige Präsidentschaftskandidat Ahmed Schafik, der im Juni bei der Stichwahl gegen Mursi knapp verlor. Der letzte Regierungschef Mubaraks verließ anschließend Ägypten und reiste nach Abu Dhabi. Er sollte wegen Korruption angeklagt werden.

Die Justiz: Hier gibt es Unterstützer und Gegner Mursis. Richter wollen Mursis Pläne eines Verfassungsreferendums boykottieren und damit zu Fall bringen. Viele sind noch zur Zeit Mubaraks ins Amt gekommen und stehen deshalb unter Kritik. So hatten im Oktober Freisprüche von Protagonisten der "Kamel-Schlacht" für Empörung gesorgt. Am 2. Februar 2011 hatten Mubarak-Anhänger Männer auf Pferden und Kamelen zum Tahrir-Platz geschickt. Sie griffen die Demonstranten mit Messern und Knüppeln an, die den Rücktritt Mubaraks forderten.

Das Militär: Um das Militär ist es ruhig geworden, seit Mursi die Armeespitze im Sommer entlassen und den darauffolgenden Machtkampf für sich entschieden hat. Doch weiterhin ist die Armee ein Staat im Staate - nicht nur mit eigener Gerichtsbarkeit, sondern auch mit eigenen Firmen. An Wahlen dürfen Militärangehörige nicht teilnehmen.