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| 02:44 Uhr

Die Krim vor einem Schicksalstag

Auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim sollen die Bewohner an diesem Sonntag über eine Trennung von der Ukraine entscheiden. Hier Schwerpunkte zur umstrittenen Abstimmung: dpa/uf

Wie läuft das Referendum auf der Krim ab?
Die mehr als 1200 Wahllokale sind von 7 Uhr bis 19 Uhr (MEZ) geöffnet. Der Stimmzettel ist in Ukrainisch, Krimtatarisch und Russisch verfasst und enthält zwei Fragen: Ob die Bevölkerung einen Anschluss an Russland wünscht oder eine weitreichende Autonomie innerhalb der Ukraine, die eine de-facto-Unabhängigkeit bedeuten würde. Angeboten wird je nur ein "Ja"-Feld. Wahlberechtigt sind 1,84 Millionen Menschen, die meisten davon Russen. Die Minderheit der Krimtataren, die traditionell an der Ukraine orientiert ist, will die Befragung boykottieren. Den Großteil der Kosten für das Referendum - etwa 1,5 Millionen Euro - trägt Russland. Die moskautreue Krim-Führung rechnet mit mehr als 80 Prozent Zustimmung für einen Anschluss an Russland.

Viel ist die Rede von Provokationen. Womit ist zu rechnen?
Die Regierung der Halbinsel wirft der prowestlichen Zentralregierung in Kiew vor, das Referendum sabotieren zu wollen. Daher sollen mehr als 1500 Bewaffnete die Wahllokale schützen. Dabei handelt es sich um prorussische "Selbstverteidigungskräfte" sowie um eine kürzlich aufgestellte eigene Armee. Auch die seit mehr als 200 Jahren in Sewastopol stationierte russische Schwarzmeerflotte dürfte keine Destabilisierung der Lage zulassen. Wegen der angeblichen Gefahr von Angriffen ukrainischer Nationalisten seien einige Zugänge zur Krim aber geschlossen worden, sagte Krim-Vizeregierungschef Rustam Temirgalijew. Außerdem seien Flugverbindungen mit der Hauptstadt Kiew gekappt worden. Warum ist der Volksentscheid umstritten?
Westliche Politiker werfen Russland einen Bruch des Völkerrechts vor. Moskau betreibe aktiv die Abspaltung der Krim von der Ukraine und den Anschluss ans Riesenreich, kritisiert etwa Kanzlerin Angela Merkel. Kremlchef Wladimir Putin weist dies zurück. Moskau unterstütze das Referendum auf der Krim, weil die Halbinsel selbst über ihr Schicksal entscheiden solle. Die mehrheitlich russische Bevölkerung wolle nicht mit nationalistischen Kräften in Kiew und der Westukraine in einem Staat leben, behauptet Putin. Die Zentralregierung der früheren Sowjetrepublik wiederum betont, die ukrainische Verfassung sehe ein solches Referendum eines Landesteils gar nicht vor.


Zum Thema:
US-Außenminister John Kerry hat am Freitag nach einem mehr als sechsstündigen Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow deutlich gemacht, dass die USA das Ergebnis des Referendums nicht respektieren werden. "Wir halten, muss ich sagen, dieses Referendum für illegitim", sagte Kerry in London. Lawrow habe erklärt, Wladimir Putin werde keine die Ukraine betreffende Entscheidung vor der Beendigung des Referendums treffen.