„Die Tendenz ist von Wahl zu Wahl steigend“, sagt Kirmße. Dass das Interesse an der Briefwahl diesmal besonders rege ist, verwundert nicht. Die Kommunalwahlen gelten als die kompliziertesten aller Wahlen. Die Märker haben die Qual der Wahl: Wer in einem typischen Dorf des Flächenlandes wohnt, hat im Regelfall gleich drei Stimmzettel auszufüllen: Man wählt zum einen die Gemeindevertretung, in den landesweit insgesamt 416 Gemeinden und kleinen Städten. Diese Groß-Gemeinden waren bei der letzten Kommunalreform allerdings durch die Fusion von 1264 Dörfern gebildet worden, in denen weiterhin zusätzlich Ortsbeiräte gewählt werden. Und drittens werden die Abgeordneten der 14 Kreistage zwischen Uckermark und Lausitz gewählt. Zusätzlich kompliziert wird es, weil der Wähler für jede Vertretung drei Stimmen verteilen – also insgesamt neun Kreuze machen kann.

Er kann seine drei Stimmen dabei jeweils einem Bewerber geben, im Amtsdeutsch nennt sich das „Kumulieren“, oder auf drei Kandidaten – egal welcher Partei oder Liste – verteilen, was sich „Panaschieren“ nennt. Damit hat es der Wähler anders als bei der Landtagswahl in der Hand, die vorher von den Parteien aufgestellten Rang-Listen völlig durcheinanderwirbeln. In 266 Kommunen werden zudem noch ehrenamtliche Bürgermeister gewählt, dort haben die Wähler also vier Stimmzettel – mit zehn möglichen Kreuzen. Um die Orientierung etwas zu erleichtern, haben die Stimmzettel zumindest unterschiedliche Farben, nämlich weiß für den Kreistag, rot für die Gemeindevertretung und grün für die Ortsbeiräte. Für die Kommunalwahl gibt es keinen Kandidatenmangel (die RUNDSCHAU berichtete), mit 4456 Bewerbern für Kreistage und 15659 für die Gemeindevertretungen. Es treten landesweit zehn Parteien, elf politische Vereinigungen, 44 Listenbündnisse und 925 Wählergrupppen an.

Deshalb haben die Stimmzettel teilweise Rekordmaße. Ein Beispiel: Der Stimmzettel für den Kreistag von Märkisch-Oderland ist 42 Zentimeter breit und 59 Zentimeter hoch – und damit größer als die RUNDSCHAU-Titelseite. Am einfachsten haben es da noch die Bewohner der vier großen Städte des Landes, Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel. Die „Städter“ brauchen in der Regel „nur“ – mit drei Stimmen – die Stadtverordnetenversammlung wählen. Der „Wahlmarathon“ macht die Auszählung aufwendig. So werden am Wahlabend nur die Ergebnisse der 14 Kreistage und vier Stadtveordnetenversammlungen vorliegen. Das Endergebnis der Kommunalwahl wird erst Mitte Oktober verkündet.