In einer Vorabend-Serie, da könnte man sich Diana Lieske gut vorstellen. Strahlend jung wie sie aussieht, würde sie gut passen in die bonbonfarbene Kulisse von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ . Tatsächlich aber sitzt sie in der rustikalen Gaststätte „Zu den drei Rosen“ , nippt an einer Apfelschorle und erzählt, wie das dörfliche Leben im Elbe-Elster-Kreis zusammenpasst mit glitzernden Kostümen, Rio de Janeiro und einem glamourösen Auftritt auf der Berliner Aids-Gala.
Angefangen hat die seltsame Karriere der heute 30-Jährigen im brandenburgischen Buchhain. „Mein Vati hatte damals ein Funkgerät. Ich war ja eigentlich ein schüchternes Mädchen, aber an der Funke, da hatte ich eine große Klappe.“ Und von dieser fühlte sich vor 15 Jahren ein gewisser Jörg angezogen. „Sagte, er sei ein dicker fetter Koch in einer Kneipe in Winkel. Irgendwann war ich so neugierig, dass ich mit Vati und Mutti hingefahren bin in diese Kneipe.“ Jörg war weder dick noch fett, vielmehr ein gut aussehender junger Mann. Die Kneipe ist mittlerweile Dianas zu Hause und ihre Mutter arbeitet heute als Kellnerin in den „Drei Rosen“ .
Besagter Jörg hatte nämlich seiner Diana eifrig den Hof gemacht, die Gaststätte übernommen und eine frei werdende Wohnung im Haus bezogen. Das Privatleben verlief reibungslos, nur der Start ins Berufsleben hatte seine Tücken. „Für ein Design-Studium bekam ich nach dem Abitur keinen Platz, also machte ich eine Ausbildung im Reisebüro. Danach ein paar Jahre bei Jörg in der Küche, etliche Fortbildungen und Seminare und vor zwei Jahren der schwierige Entschluss: Du machst dich selbstständig.“
Denn nur so, als Vertreiberin von „Essen vom heißen Stein“ hat sie genügend Freiheit, ihrer eigentlichen Leidenschaft zu frönen - dem Karneval. „Und daran ist auch wieder mein Schatzi schuld“ , sagt Diana lächelnd. „Vor acht Jahren übte ich mit zwei Mädels fürs Dorffest ein paar Tänze ein. Jörg gefiel das so gut, dass er uns gleich vorschlug, einen Karnevalsverein zu gründen.“ Als sich dann auch noch herausstellte, dass Dianas Mutter früher selbst als Funkenmariechen durch Forst gezogen war, stand dem Plan nichts mehr im Wege. Fast nichts. „Ein einziges Gardekostüm kostete damals 500 D-Mark. Zu viel für uns junge Mädels.“
Doch auch die Eltern der jungen Tänzerinnen ließen sich mitreißen: Sie liehen den Mädchen das Kostümgeld und ermöglichten so den Start in die erste winkelsche Karnevalssession.
Heute hat der Club des 200-Seelen -Dörfchens 65 Mitglieder und 36 aktive Tänzer aus der Umgebung. Prinzengarde und Funkengarde, ein großes und ein kleines Prinzenpaar, dazu das Männerballett, in dem auch Dianas „Schatzi“ die Beine schwingt. „Sonst mag er ja nicht tanzen, aber dabei macht er super mit.“ Ohne seine Unterstützung wäre die Finanzministerin des Vereins ohnehin heillos überfordert: Sie näht alle Kostüme, trainiert alle Aktiven, entwirft Tänze und Shows, bereitet Wettkämpfe vor und ist nicht zuletzt unter dem Künstlernamen „Miss Diana“ mit einem Solo-Programm unterwegs.
Ihren vorläufigen Karriere-Höhepunkt erlebte die junge Brandenburgerin, als sie einen Wettbewerb beim sächsischen Jugendradio gewann - eine Flugreise zum Karneval nach Rio. „Mein Freund ist natürlich mitgekommen und wir hatten ganz wunderbare Tage. Einmal durften wir in einem Samba-Zug mittanzen, einen Tag drauf als Zuschauer ins Stadion. Da hätte schon allein die Eintrittskarte 400 Euro gekostet.“
Karneval in Rio - prickelnde Erotik und hohe Professionalität. Ein kleines Stückchen davon hat Diana Lieske mit ins Elbe-Elster-Land gerettet. „In einem Slumviertel hatte ich einen Laden mit Karnevalsbedarf entdeckt. Spottbillige Pailletten, Stoffe, Federn. Bis heute tauchen diese Stücke in jeder unserer Shows wieder auf.“
Überhaupt ist es das Bunte, Schillernde, das sie so sehr fasziniert am Karneval. „Dieses Flair ist unvergleichlich. Und sobald du in ein Kostüm schlüpfst, bist du ein ganz anderer Mensch.“
Einmal allerdings, da ist sie selbst auf einen Kostümierungsprofi reingefallen. „Ich gehe gerne zu Tanzcastings. Bei einem musste ich dann sogar spontan ein russisches Lied singen. Ich habe mich so geschämt. Und dann sagte der Showmaster grinsend: ,Willkommen bei Hape Kerkeling'.“
Immerhin brachte ihr der Auftritt eine Einladung zur Aids-Gala nach Berlin ein, mit rotem Teppich und After-Show-Party. „Total super.“ Für dieses Jahr hofft sie, wenigstens wieder zum großen TV-Auftritt in die Cottbuser Stadthalle eingeladen zu werden. Dieser Hauch von großer weiter Welt, der entschädigt für harte Probenstunden und Nachtschichten an der Nähmaschine. Manchmal, das gibt sie zu, wird ihr das alles ein wenig zu viel. „Ich habe zwei Co-Trainerinnen, die aber demnächst zum Studium oder zur Ausbildung gehen. Dann stehe ich wieder alleine da.“ Schon jetzt hat sie ausgerechnet, dass sie in zwei Jahren eine neue Prinzengarde gründen muss, um den Nachwuchs abzusichern. „Und wenn ich mich nicht drum kümmere, wer dann?“