Die Lausitzer Seen sind lange nicht fertig, aber die Wassersportler können jetzt kommen. "Das Schiff ist im richtigen Fahrwasser", verkündete Sachsens SPD-Wirtschaftsminister Martin Dulig am Donnerstagabend in Geierswalde. Er war gekommen, um mit dem Bergbausanierer LMBV eine Nutzungsvereinbarung für die 40 sächsischen Tagebaurestseen zu unterschreiben. Ein formaler Akt, der schnell erledigt war. Für die sächsische Lausitz soll damit eine neue Ära beginnen.

Konkret einigten sich der Freistaat und die LMBV darauf, die Seen freizugeben, auch wenn die noch nicht fertig saniert sind. In der Zwischenzeit, so die Vereinbarung, geht die Verkehrssicherung auf den jeweiligen Nutzer über. Die LMBV kennzeichnet dafür die geotechnischen Sperrbereiche an Land und im Wasser. "Mit der Rahmenvereinbarung haben wir nunmehr klare Regelungen über die Chancen, aber auch über die Rechte und Pflichten bei einer vorzeitigen Seennutzung definiert", so LMBV-Chef Klaus Zschiedrich.

Das war bisher nicht der Fall. Da galt nur die Vereinbarung beider Seiten von 2008. Damals beschlossen beide Seiten die Übernahme der fertig sanierten Tagebaurestseen an den Freistaat Sachsen. Mit der Zwischennutzungsvereinbarung kann es nun schon früher losgehen. Letztlich geht es darum, wer die Verantwortung trägt, wenn an den frischen Seeufern geologische Probleme auftauchen. Die Verantwortung wollen sich beide Seiten nun teilen.

Die Seen in der Lausitz werden immer attraktiver für sportliche Urlauber. 2014 zählten die Touristiker mehr als 503 000 Übernachtungen - knapp 111 000 davon auf sächsischer Seite. Von dem noch vor Jahren angepeilten Ziel von einer Million Übernachtungen bis 2020 sind die Seenlandschaften zwischen Senftenberg und Hoyerswerda noch weit entfernt. Zudem hängt die Region weiterhin hinter dem Neuseenland im Süden von Leipzig zurück. Dort zählte der Tourismusverein 2014 mehr als 673 000 Übernachtungen. Was hier wirkt, ist die Vernetzung mit der Großstadt.

Indes, die dünne Besiedlung der Lausitz eröffnet den Touristikern mehr Möglichkeiten. So können hier Sportarten wie Wasserski und Jetski etabliert werden, die im Leipziger Raum nicht gehen. "Renaturierung heißt nicht nur Vergangenheitsbewältigung", betonte Zschiedrich, jetzt gehe es darum, dass die Seen auch genutzt werden können. Der Freistaat Sachsen hat sich zu einer touristischen Nutzung bekannt.

Doch die hat auch ihre Tücken. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Gerd Lippold kritisiert, dass die Verantwortung für die Bergbaufolgen komplett bei den Bergbautreibenden liege. "Der Freistaat sieht dafür keine eigenen Rücklagen vor." Ohnehin müssten viele Jahre weitere Milliarden in die Sanierung gebuttert werden.