Die Freude im Umgang mit den fünf Mädchen und sechs Jungen ist ihr deutlich anzusehen. Die Kinder sind gern in ihrer Nähe und kommen auf sie zu. Die Grundschüler, die aus ganz Sachsens kommen, haben schnell Vertrauen aufgebaut. „Vor drei Tagen kannten wir uns alle noch nicht“ , erzählt Rosi, die zum ersten Mal allein eine Gruppe leitet.
Der Wecker klingelt bei der „Mutter auf Zeit“ schon um 7.30 Uhr. Eine halbe Stunde später werden die Kinder geweckt. „Guten Morgen Rosi“ , schallt es aus dem Jungs-Zimmer, während die Mädels nebenan erst langsam munter werden. Jetzt heißt es Waschen, Anziehen und Zähne putzen. Um halb neun gibt es Frühstück, bis dahin soll die Gruppe zusammen im Speisesaal sein. „Bei den Jüngsten muss ich manchmal darauf achten, dass sie nicht zu sehr trödeln, aber insgesamt klappt schon alles ganz gut“ , ist Rosi mit den Mädchen und Jungen zufrieden. Auch wenn der Altersunterschied bei den Sechs- bis Zehnjährigen etwas groß ist, „die Gruppe hält zusammen und die Kinder nehmen aufeinander Rücksicht“ , freut sich die 19-Jährige.
Zum Anfang sei es für sie schon sehr ungewohnt gewesen, die Verantwortung für elf Kinder zu tragen. Aber mittlerweile hat sich Rosi daran gewöhnt, geht mit den Schüler ganz locker um. Durchsetzungsprobleme hat die junge Betreuerin nicht. „Die Kinder halten sich die meiste Zeit an die Regeln“ , sagt sie. „Wenn es doch Unstimmigkeiten oder Streit gibt, werde ich auch mal energisch.“

Versteckspiel im Wald
Nach dem Frühstück werden in den Zimmern noch schnell die Betten gemacht, anschließend steht eine kleine Wanderung auf dem Programm. „Feste Schuhe anziehen, dann geht's los“ , ruft Rosi ihren Kindern zu. Schon kurz darauf ist die Gruppe abmarschbereit. Probleme mit der Disziplin hat die junge Frau keine, „alle sind super motiviert“ . „Los, wir spielen Verstecken“ , schlägt Rosi vor. „Ich zähle bis zehn, dann suche ich euch.“ Die Kinder überlegen nicht lange, schnell wird ein Baum oder der nächste Busch angesteuert. „Hier im Wald blühen die Schüler richtig auf, die Bewegung und die frische Luft tut ihnen gut.“ Einsetzender Nieselregen stoppt den Ausflug und die Gruppe kehrt wieder ins Lager zurück. Doch Ausruhen wollen sich die Kinder nicht. Während die Mädchen in der Bastelstube Freundschaftsbänder knüpfen, geht Rosi mit den Jungs ins Fitnessstudio. „Langeweile kommt hier nie auf“ , sagt die 19-Jährige. Im Querxenland gibt es auch bei Regen jede Menge Beschäftigungsmöglichkeiten. Ob im Natur- und Umweltzimmer, im Spieleraum, im Kino oder im Computerkabinett des Freizeitzentrums, auf der sechs Hektar großen Anlage wird genügend Abwechslung geboten.
Ab 12.30 Uhr isst die Gruppe gemeinsam Mittag. Anschließend ruhen sich die Kinder auf den Zimmern etwas aus - schreiben Karten, lesen oder spielen miteinander. „Jetzt kann ich auch etwas entspannen“ , sagt Rosi. Dann sinkt die Neugersdorferin in einen alten Sessel.
Am Nachmittag geht es in den hauseigenen Erlebnispark, wo die Gruppe verschiedene Aufgaben erledigt. „Die Kinder müssen dabei gemeinsam Strategien entwickeln, um ans Ziel zu gelangen. Das fördert den Teamgeist und das Gemeinschaftsgefühl“ , erklärt die 19-Jährige. Die Mädchen und Jungen sind eifrig bei der Sache, Rosi gibt nur gelegentlich ein paar Tipps. Kurz vor dem Ziel gilt es ein großes Spinnennetz zu durchqueren, ohne die Seile zu berühren. Das erfordert Koordinationsgeschick und Zusammenarbeit. „Wir haben es geschafft“ , rufen die Kinder stolz ihrer Betreuerin zu. „Seht ihr, Teamarbeit ist alles“ , erwidert sie.

„Kinder machen großen Spaߓ
Bei dem warmen Wetter sind die Sechs- bis Zehnjährigen ins Schwitzen geraten, da kommt eine Abkühlung im benachbarten Waldbad gerade recht. Auch Rosi lässt sich nicht lange bitten und springt mit ins kühle Nass. „Die Tage mit den Kindern machen mir so viel Spaߓ , sagt die Neugersdorferin lachend. Das sei auch der entscheidende Grund, weshalb sie in den kommenden Wochen eine Ausbildung zur Kinderpflegerin beginnt. „Das Ferienlager bereitet mich dafür ein Stück vor“ , ist sie überzeugt.
Die Zeit vergeht im Wasser wie im Fluge, die Gruppe muss sich beeilen, um das Abendbrot nicht zu verpassen. Nach dem Essen steht noch eine Rallye des ganzen Ferienlagers auf dem Programm. Unter dem Motto „Auf der Suche nach der Prinzessin“ treten die Gruppen in verschiedenen Spielen gegeneinander an, danach geht es unter die Dusche und ab ins Bett. Um 22 Uhr kehrt Ruhe zwischen den Bungalows ein. „Meine Kinder sind heute ganz schön müde“ , lächelt Rosi, die nun noch gemütlich mit den anderen Betreuern zusammensitzt und den Abend ausklingen lässt. Bei einem Glas Wein werden Erfahrungen ausgetauscht, die witzigsten Begebenheiten erzählt und der nächste Tag geplant. „Wir sind ein richtig gutes Team“ , lobt sie das positive Klima im Lager.
In ein paar Tagen geht es nach Hause. Dann kehrt bei Rosi wieder Normalität ins Leben, mit der Ausbildung beginnt ein neuer Lebensabschnitt. „Aber die Kinder werden mir sicher sehr fehlen“ , sagt sie mit etwas traurigem Blick.

Service Querxenland
Geschichte: Die sechs Hektar große Anlage in Seifhennersdorf wurde in den 50er-Jahren gebaut und war zu DDR-Zeiten ein Pionierferienlager. 1991 hat der Verein Querxenland das Objekt übernommen und komplett erneuert. Das Camp hat im Sommer 350 Betten.
Angebot: In den Sommer- und Winterferien finden neben den Ferienlagern auch Fußball-, Kreativ-, Foto-, Cheerleader- und Schwimmcamps statt.
Kontakt: Querxenland, Viebigstraße 1, 02782 Seifhennersdorf. Telefon: 03586/45 11 25. E-mail: info@qherxenland.de; Internet: www.querxenland.de