Nach Angaben der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen ist die Zahl der Personen, die weniger als 35 Stunden pro Woche arbeiten, seit dem Jahr 2004 um fast 2,4 Millionen auf 10,7 Millionen gestiegen. Damit gehen etwa drei Viertel des Job-Zuwachses in diesem Zeitraum auf eine Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung zurück.

Nach dem jüngsten "Fortschrittsbericht" der Regierung zur Fachkräftesituation, der am Donnerstag auch im Bundestag debattiert wurde, ist die Erwerbstätigenquote unter den Frauen zwischen 20 und 64 Jahren seit 2006 um 7,5 Prozentpunkte auf 72,5 Prozent gestiegen. Doch die Zahl trügt. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Frauen arbeitet in Teilzeit. Unter den Männern sind es nur neun Prozent.

Einerseits ist diese Entwicklung ermutigend, weil es offenbar immer mehr Frauen gelingt, Familie und Erwerbsleben unter einen Hut zu bringen. Andererseits sind Teilzeitjobs häufig eine Karriere-Bremse - und manchmal eine Armutsfalle.

Auch die Bundesregierung räumt ein, dass fast jeder dritte Teilzeitbeschäftigte weniger als 15 Wochenstunden arbeitet, was einem Mini-Job entspricht. Diese Personengruppe ist seit 2004 um etwa ein Fünftel auf knapp 3,2 Millionen angewachsen. "Gerade diese Menschen kommen nicht aus dem Niedriglohnsektor heraus. Obendrein können sie keine eigenständige Alterssicherung aufbauen", sagte die grüne Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer gegenüber der RUNDSCHAU.

Nun ließe sich vermuten, dass Mini-Jobber gar nicht länger arbeiten möchten. Doch dem ist nicht bei allen so. Laut Bundesregierung würden 54 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer mit einer geringfügigen Beschäftigung ihre Arbeitszeit gern ausweiten. Nur jeweils gut ein Drittel will die Arbeitszeit so lassen, wie sie ist. Bei diesen Angaben stützt sich die Regierung auf repräsentative Wiederholungsbefragungen von Privathaushalten.

"Teilzeitbeschäftigung ist nicht per se schlecht", sagte Pothmer. Problematisch sei aber, dass viele nicht freiwillig so wenig arbeiteten. Um dem Problem beizukommen, wären nach Ansicht Pothmers eine Reform der Minijobs sowie Änderungen beim Arbeitsrecht geboten. "Dazu müssten die Übergänge zwischen geringfügiger und normaler Beschäftigung verbessert werden, indem man zum Beispiel in den unteren Einkommensklassen die Sozialversicherungsbeiträge reduziert", erläuterte Pothmer.

Zugleich pochte die Grünen-Politikerin auf die Umsetzung der Koalitionspläne, Teilzeitjobbern einen Rechtsanspruch auf Vollzeitarbeit zu gewähren. Bislang haben Beschäftigte in Deutschland nur ein Recht, von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln. Wann das Vorhaben umgesetzt werden soll, lässt die Regierung allerdings offen. In der Antwort an die Grünen wird lediglich die laufende Legislaturperiode als Zeitrahmen genannt - und die geht noch bis Herbst 2017.

Pothmer hat dafür kein Verständnis. Frauen in Teilzeit seien das größte einheimische Potenzial zur Lösung des Fachkräfteproblems, sagte sie. Doch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lasse es an politischem "Nachdruck" für mehr individuellen Einfluss auf die Arbeitszeitgestaltung fehlen.