Ein solcher Kalligraph gab am Dienstag in der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus (BTU) Einblick in sein Schaffen. Stephan Braunfels gehört zu den führenden deutschen Architekten und erhielt 1994 den deutschen Kritikerpreis der Architektur. Er hat Büros in München und Berlin. Der BTU-Förderverein hatte ihn, wie sein Vorsitzender Eckhard Dubslaff erklärte, eingeladen, um mit seinem Vortrag die Tradition interessanter Veranstaltungen für die Öffentlichkeit zu beleben.
Dieses Vorhaben ist am Dienstagabend vor zahlreichem Publikum gut gelungen. Stephan Braunfels gab in seinem Lichtbildervortrag eindrucksvolle „Schriftproben“ , die nicht nur Interesse weckten, sondern in ihrer Polemik auch nachdenklich machten. So fiel das Wort von der „Zerstörung durch Wiederaufbau“ .
Sie ist in vielen deutschen Städten, in Ost und West, erfolgt. So bekam Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg sein neues Gesicht nicht nach historischem Vorbild, sondern nach ideologischen Vorgaben.
Braunfels war 1990 an Projekten in der Elbestadt beteiligt und ist dafür preisgekrönt. Das neue Streben ging dahin, der Stadt ein neues Rückgrat zu geben. Westlicher Atem sollte sie nicht allein durch Hochhäuser und Kaufhäuser erhalten, sondern durch ihre wunderschöne Landschaftsbezogenheit, die in dieser Art wenige europäische Städte aufweisen. Im Gegensatz zum Nachkriegstrend folgte er dem Leitbild: Natur nutzen, Historie achten und wenig abreißen. Ein Lausitzer könnte neidisch werden, wie diese Architektur Übersichtlichkeit und ein Gefühl, hierhin zu gehören, schafft.
Braunfels referierte auch über seinen Anteil an Münchner und Berliner Bauten. So tragen die Pinakothek der Moderne in der bayrischen Landeshauptstadt und einige Stätten des Bundestages an der Spree seine Handschrift. Architektur leistete ihren Beitrag zur Transparenz von Politik. Wo viel mit Glas gebaut wird, kann man Politikern auf die Finger schauen. Zumindest Symbolgehalt hat dieser Trend. Es war interessant zu hören, wie sich schöne, moderne und zweckmäßige Architektur oft nur schwer (oder gar nicht) gegen eine Bürokratie durchsetzt, die wohl selbst Umbau vertrüge.
Viel Applaus belohnte diesen Vortrag. Den Förderverein sollte das Mut für seine künftigen Sonntagsvorlesungen machen. Die erste soll, kündigte Eckhard Dubslaff an, am 15. Juni um 10.30 Uhr stattfinden. Referent wird Prof. Ewert vom BTU-Lehrstuhl für Experimentalphysik zum Thema „Minus 200 Grad Celsius - Physik bei niedrigen Temperaturen (mit Experimenten)“ sein.