Das nährte Hoffnungen auf einen Impfstoff, schließlich haben Mediziner solche Substanzen bereits gegen viele Krankheiten wie etwa Masern geschaffen. Am 23. April 1984 erklärte die damalige US-Gesundheitsministerin Margaret Heckler, dass ein solches Präparat binnen zweier Jahre erwartet werden könne. Seither hat das Virus weltweit mehr als 25 Millionen Menschen getötet - und die Aussage der Ministerin zu einem der Irrtümer der Medizingeschichte gemacht.
„Die ernüchternde Wahrheit ist, dass es derzeit keinen aussichtsreichen Kandidaten für einen HIV-Impfstoff gibt“ , schreibt Bruce Walker von der Harvard Medical School in Boston im US-Staat Massachusetts ein Vierteljahrhundert nach der HIV-Entdeckung in „Science“ . Seine Analyse zeigt, dass der Mensch derzeit weit davon entfernt ist, Hilfe zu finden.

Großer Tiefschlag 2007
Die Hoffnung auf einen Impfstoff hatte bereits En de 2007 einen heftigen Tiefschlag erlitten. Damals wurde ein Test abgebrochen, weil das Präparat des US-Pharmakonzerns Merck & Co. das Risiko einer Infektion scheinbar sogar erhöhte. In der Folge kamen bei führenden Experten grundsätzliche Zweifel auf: „Um brutal ehrlich mit uns selbst zu sein, müssen wir der Möglichkeit ins Auge sehen, dass wir niemals einen Impfstoff gegen HIV finden könnten“ , erklärte Fauci damals. Doch man gebe nicht auf, betonte der oberste Aids-Bekämpfer der USA im „New England Journal of Medicine“ .
Wünschenswert wäre eine Immunbarriere, die die Infektion verhindert, das Virus also gar nicht erst in die Zelle lässt. Falls dies scheitert, sollte zumindest seine Vermehrung gehemmt werden. Die Haupttorwächter des Immunsystems sind die Antikörper. Sie entstehen, wenn Immunzellen Eindringlinge erkennen und die passenden Antikörper dagegen konstruieren. Sie erkennen den Fremdkörper, lagern sich an und verhindern die Infektion der Zellen. Nach diesem Prinzip wurden Impfstoffe gegen zahlreiche Krankheitserreger hergestellt. Diese funktionieren aber nur dann gut, wenn sich der Erreger nicht oder nur wenig wandelt - aber genau dies tut HIV besonders häufig.
Medikamente können Ausbruch und Verlauf der Immunschwäche nur verzögern. Immerhin ist die Lebenserwartung von HIV-Infizierten in den vergangenen Jahren gestiegen, von 1996 bis 2005 um 13 Jahre, berichten Forscher im Journal „The Lancet“ . Das gilt für die reichen Industrieländer.
Die Staatengemeinschaft ist indes weit davon entfernt, ihre selbst gesteckten Ziele bei der Versorgung der Patienten mit Medikamenten zu erreichen: En de 2007 erhielten 31 Prozent der 9,7 Millionen Bedürftigen die Pillen. „Das bedeutet, dass etwa 6,7 Millionen keinen Zugang zu den lebensrettenden Medikamenten haben“ , heißt es in einem gemeinsamen Bericht des Aidsprogramms der Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation und Unicef von Anfang Juni.

Kritik an Prioritätensetzung
Einige Experten kritisieren, dass bei der Verteilung des Geldes im Kampf gegen Aids mitunter falsche Prioritäten gesetzt werden. So hat sich in mehr als 40 Untersuchungen gezeigt, dass die Beschneidung von Männern deren Risiko einer heterosexuellen Infektion reduzieren kann. Die konsequente Beschneidung könne in den nächsten 20 Jahren in den Ländern südlich der Sahara, wo die Immunschwäche besonders grassiert, 5,7 Millionen neue Infektionen und drei Millionen Todesfälle verhindern, betonen etwa Experten der Universitäten Harvard und von Kalifornien. Aber nur ein Prozent des weltweit gegen Aids ausgegebenen Geldes werde in diesem Bereich verwendet. Sicheren Schutz bietet das Verfahren aber ohnehin nicht - das Infektionsrisiko sinkt lediglich auf etwas weniger als die Hälfte.