Wolfgang Joswig erinnert sich noch genau an die Zeit, als der Visionär Rindt auch ihn mit den Thesen beeindruckte, dass die Braunkohletagebaue in der Lausitz eine Chance für die Zukunft dieser Region sein würden. "Miteinander verbundene Seen wollte er entstehen lassen - und schiffbar sollten sie sein", ruft der Senftenberger Stadtplaner die Ideen des Inspirators auch seines Schaffens in der Region nach dem Braunkohlebergbau ins Gedächtnis.
Rindt hatte mit dem Senftenberger See bereits zu DDR-Zeiten sein Meisterstück in Sachen Landschaftswandel abgeliefert. Wolfgang Joswig und dem Cottbuser Landschaftsarchitekten Helmut Rippl ist es zu verdanken, dass die kühnen Ideen nach der politischen Wende nicht weggebaggert wurden. "Wir haben uns gefragt, wie wir Otto Rindt nach dessen Tod 1994 am besten ehren könnten", erzählt Wolfgang Joswig. "Und wir haben uns gesagt, dass dies am ehesten gelingen würde, wenn wir seine Gedanken nutzen." Somit gilt die von Joswig 1994 in Großräschen ins Leben gerufene "Hommage an Otto Rindt" als die Geburtsstunde der IBA. Denn hier sind in den wenigen noch stehen gebliebenen Klinkerbauten der einstigen Ilse-Bergbau AG Rindtsche Visionen weiterentwickelt worden.
"Wir sind 1994 mit einer Glaspyramide im Ilse-See gestartet", sagt Joswig ohne Wehmut, dass dieses Projekt offenbar zu fern der (auch finanziellen) Realität war. Die Hommage und weitere Workshops mit Studenten haben allerdings dazu geführt, dass die Regionale Planungsgemeinschaft Lausitz-Spreewald mit dem damaligen Cottbuser Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt (CDU) an der Spitze ein Kuratorium für eine IBA Fürst-Pückler-Land ins Leben rief. Während im Tagebau Meuro noch Braunkohle gefördert wurde (bis 1999), hat sich in diesem Kuratorium eine ganze Region Gedanken gemacht, wie es in Lausitz und Elbe-Elster-Land nach dem Braunkohlebergbau weitergehen sollte.

Großräschen - IBA-Hauptstadt
Was hier von unten, aus den Kommunen und Landkreisen, an Ideen für den Wandlungsprozess auf der mit 5000 Quadratkilometern größten Landschaftsbaustelle Europas eingebracht wurde, hat letztlich auch Zögerer in Brandenburgs Landesregierung dazu bewogen, einer IBA 2000 bis 2010 in der Lausitz zuzustimmen.
Seither gilt Großräschen als die IBA-Hauptstadt: Hier haben die Bergbausanierer der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) schon frühzeitig mit ihren Großgeräten ein Hafenbecken für die künftige Marina in die Böschung geschnitten. Hier bezog die IBA ihren Sitz, führt die See-Straße direkt zu jenen Terrassen am Ufer des Ilse-Sees, die ab heute das moderne "Besucherzentrum Lausitzer Seenland" beherbergt. Hier haben die Großräschener aus einem umgebauten Absetzer, einem Tagebaugroßgerät, eine Seebrücke errichtet. Und hier entstand Helmut Rippls "Allee der Steine", die zu jener Victoria-Höhe von Wolfgang Joswig führt, die am 19. April eingeweiht wird.
"Großräschen hat sich als IBA-Zentrum etabliert. Wer einmal von hier aus zu einer Tagebau-Tour gestartet ist, der vergisst das so schnell nicht wieder", sagt Volker Mielchen, der IBA-Projektleiter für den Ilse-See. Weil die Flutung des Sees lange auf sich warten ließ, habe man aus der Not eine Tugend gemacht und Touristen in die "Tagebaulandschaft im Wandel" geführt. "Das ist mit geänderter Streckenführung auch noch in den nächsten Jahren möglich", erläutert Mielchen.
Die Großräschener mit Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) bereiten unterdessen ihre Zukunft am See weiter vor (siehe nebenstehendes Interview). Ein Baugebiet direkt am See, eines der wenigen im Seenland, ist von den Stadtverordneten auf den Weg gebracht. Von der einstigen Stadt der Kohlekumpel aus wird man künftig durch Kanäle und Tunnel auf 7000 Hektar verbundener Wasserfläche schippern können. "Die verbundenen Tagebauseen in Brandenburg und Sachsen sind zweifellos auch ein politischer Erfolg", resümiert Mielchen.

Buga 2015 zurück in die Lausitz
Bis der Ilse-See voll gelaufen ist, vergehen nach LMBV-Angaben etwa acht Jahre. Ein angekündigtes optimiertes Flutungsmanagement könnte den Zeitraum sogar weiter verkürzen. Für Wolfgang Joswig ist dies ein Zeitraum, in dem die IBA zwar zu Ende gegangen ist, "aber der Landschaftswandel setzt sich fort. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass sich die Region zunächst um die Landesgartenschau 2012 bewirbt", fordert der "Drängler" Joswig die Politiker erneut zum gemeinsamen Handeln auf. "Und 20 Jahre nach der Bundesgartenschau in Cottbus, also 2015, sollten wir die Buga in die Lausitz zurückholen. Um die IBA-Visionen als vollendet zu präsentieren. Und um uns als Impulsgeber für eine neue Energieregion zu zeigen."

Zum Thema Erster Anlaufpunkt im Lausitzer Seenland
 Das Lausitzer Braunkohlerevier verwandelt sich in ein Freizeitparadies. Zwischen Berlin und Dresden entsteht Europas größte künstliche Seenlandschaft : 14 000 Hektar Wasserfläche verteilt auf fast 30 künstlichen Seen bieten einzigartige Bedingungen für Wassersportler, Touristen und Investoren. Kitesurfen, Segeln, Baden und Tauchen sind bereits möglich, letzteres sogar von einer schwimmenden Tauchschule auf dem Gräbendorfer See. Über die vielen Attraktionen dieser Urlaubslandschaft im Entstehen informiert ab heute das neue "Besucherzentrum Lausitzer Seenland" auf den IBA-Terrassen in Großräschen - dem Veranstaltungszentrum der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land. Als Teil der künftigen Seepromenade Großräschens liegen die IBA-Terrassen unmittelbar am Ufer des neuen Ilse-Sees, dessen Flutung heute von Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) gestartet wird.