Vor dem Potsdamer Landtagsgebäude weht die blau-rot-weiße Fahne der Sorben. Drinnen fahren Angela Schurmann und Ute Henschel mit dem Aufzug in die erste Etage. Sie tragen die sorbische Tracht.

Vor dem Plenarsaal wartet schon Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD). Denn Schurmann und Henschel gehören zu den fünf kürzlich direkt gewählten Mitgliedern des Sorben- und Wendenrates beim Brandenburger Landtag. An diesem Dienstag erhalten sie ihre Berufungsurkunden, während die ausscheidenden Mitglieder des Rates mit einem Buch über die Geschichte des Landtagsgebäudes und einem Blumengesteck verabschiedet werden.

"Der Sorben- und Wendenrat hat vieles auf den Weg gebracht", sagt Stark. Besonders begrüßte sie das Engagement des Gremiums für die Bildungspolitik, denn die Kinder und Jugendlichen seien die Zukunft des sorbischen Volks. "Die Sorben und Wenden haben das Land Brandenburg entscheidend mitgeprägt", sagt Stark. "Sie sind ein kostbarer Schatz, der unser Land einzigartig macht."

Zugleich freue sie die "große Beteiligung" an der Direktwahl des Gremiums - tatsächlich haben rund 1600 Menschen einen Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis gestellt. Am Ende gingen rund 1200 Stimmzettel ein. "Ich verspreche Ihnen, dass Ihre Inhalte im Landtag Gehör finden werden", sagt Britta Stark.

Dann versammelt sich der neu gewählte Rat zu seiner konstituierenden Sitzung. Auch im Besprechungsraum E070 des Potsdamer Landtags steht in der Ecke die sorbische Fahne. Landtagspräsidentin Stark eröffnet die Sitzung mit der Wahl des Vorsitzenden des Sorbenrates.

Ratsmitglied William Janhoefer sagt: "Ich schlage Torsten Mack vor." Mack sagt: "Ich bin bereit zu kandidieren." Die Landtagspräsidentin sagt: "Dann schreiten wir zur Abstimmung." Fünf Hände heben sich. Mack ist einstimmig gewählt. Wenige Minuten später gilt dasselbe für seinen Stellvertreter Marcus Koinzer. Dann eröffnet Mack die erste Sitzung der Legislatur. "Es wartet auf uns viel Arbeit, es sind vor allem im Bildungsbereich noch viele Fragestellungen offen."

Als wichtigste Themen der neuen Ratsperiode nennt Mack den Status des Witaj-Unterrichts und des bilingualen Unterrichts an den Schulen. Dazu seien Fragen wie die Kursgrößen, die sorbischen Schulen, die Frage nach dem sorbischen Siedlungsgebiet und die Auswirkungen der Kreisgebietsreform auf die Sorben und Wenden zu bedenken.

Der Sorbenbeauftragte der Landesregierung, Kulturstaatssekretär Martin Gorholt, bringt zudem die Situation des Instituts für Sorabistik an der Universität Leipzig ins Gespräch, das er kürzlich mit seinem sächsischen Gegenüber besuchte.

"Wir müssen darum werben, dass mehr junge Menschen Sorbischlehrer werden wollen", sagt Gorholt. "Und wir wollen auf jeden Fall das Institut stärken, was das Niedersorbische betrifft."

Zum Thema:
Der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden vertritt im Potsdamer Landtag die Interessen der Minderheit mit slawischen Wurzeln. Immer wenn es um die Belange der Sorben geht, die sich in Brandenburg auch Wenden nennen, schaltet sich das Gremium ein. Es hat im Landtag eine beratende Funktion und kann Stellungnahmen etwa zu Gesetzesentwürfen abgeben. Der Rat besteht aus fünf Mitgliedern, die ehrenamtlich arbeiten. Sie sind üblicherweise bei Ausschusssitzungen und Landtagsdebatten dabei. Der Rat wird für die Dauer einer Wahlperiode des Landtags gewählt. Erstmals stimmten die Sorben in Brandenburg in diesem Jahr per Briefwahl ab, wer in das Gremium kommt. Die Aufgaben des Rates sind gesetzlich festgelegt.