Dienstbeginn 6.15 Uhr, Antje Möldner-Schmidt hat heute extra früh begonnen. Sie nutzt die Gleitzeit, weil sie am Nachmittag noch trainieren will. Die Sommerpause ist schließlich vorbei. "Ich muss wieder reinkommen", sagt die Olympia-Siebte über 3000-Meter-Hindernis. Sie meint damit den Sport, denn im Urlaub in Griechenland hatte sie nicht mal im Traum daran gedacht, auch nur einmal joggen zu gehen. Aber sie meint damit auch ihren Job als Polizeiobermeisterin bei der Bundespolizei. Derzeit ist die 28-Jährige auf dem Cottbuser Bahnhof im Einsatz, im Ermittlungsdienst. Dort macht sie ein Praktikum und gibt zu: "Vieles aus der Ausbildung muss ich erstmal wieder auffrischen."

Auf dem Bahnhof geht es hauptsächlich um zwei Arten von Straftaten: Graffiti-Schmierwerk und Buntmetall-Klau. Zuletzt wurden Kupferkabel an der Bahnanlage abmontiert. Am nächsten Tag sollte in Finsterwalde ein Beschuldigter vernommen werden. Die Akten liegen auf dem Schreibtisch, der Fall wird vorbereitet - trockener Arbeitsalltag.

Antje Möldner-Schmidt hat es ganz gut getroffen. Sie muss bisher noch nicht täglich ins Büro oder auf Streife. Die Läuferin vom LC Cottbus gehört dem Leistungssportprojekt der Bundespolizei in Kienbaum an. Damit fördert der Bund die Spitzenathleten, die gleichzeitig um Olympia-Medaillen kämpfen sollen und trotzdem ihre berufliche Karriere im Blick haben.

Sonderstatus für Sportler

Von Beginn an gibt es einen Sonderstatus, schon die Ausbildung wird an den Wettkampfkalender angepasst. Durch die Prüfungen musste sich die gebürtige Potsdamerin aber trotzdem quälen, mit Erfolg. Heute sagt Antje Möldner-Schmidt: "Allein von Sponsorengeldern könnte ich nicht leben. Ich bin sehr froh, dass mich mein Arbeitgeber so unterstützt. Und vor allem, dass ich weiß, wie es nach dem Leistungssport weitergehen kann."

Andere Sportkollegen, die beispielsweise der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehören, können das nicht sagen. Schließlich bekommt man dort keinen Berufsabschluss wie bei der Bundespolizei. Ein Vorteil, den beispielsweise auch Kugelstoß-Weltmeister David Storl, Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler und Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel genutzt haben. Dafür müssen die Athleten aber auch regelmäßig beim Arbeitgeber antreten. Seit Ausbildungsende im Jahr 2007 hat Antje Möldner-Schmidt nunmehr vier Praktika absolviert.

Jetzt also Ermittlungsdienst. Vieles ist Neuland, Antje Möldner-Schmidt muss erstmal über die Schulter schauen. Doch ihr Kollege Peter Seibt ist dafür wohl der richtige Mann. Der Polizeihauptmeister ist seit 1992 im Dienst, er wirkt nicht so, als ob ihn irgendetwas aus der Ruhe bringen könnte - selbst eine Olympia-Teilnehmerin nicht.

Die Londoner Spiele sind im Büro ohnehin nicht groß Thema, dabei wissen die Kollegen schon, was sie an ihren Sportlern haben. Katja Muth von der Pressestelle sagt: "Sie sind wunderbare Außenwerbung für die Bundespolizei. Wir sind natürlich stolz, wenn jemand von uns bei Olympia dabei ist."

Wette unter den Athleten

Vor den Spielen gab es intern eine kleine Wette unter den Sportlern. Leistungssportprojekt-Leiter Jochen Maron hatte versprochen: Alle, die es schaffen, im Fernsehen den Arbeitgeber Bundespolizei zu erwähnen, rudere er eigenhändig über den See in Kienbaum. Die Sportler machten sich in London daraus einen sportlichen Jux, und so dürfte Maron inzwischen ziemlich kräftige Oberarme bekommen haben.

Antje Möldner-Schmidt hat das in der ganzen Olympia-Aufregung irgendwie nicht mitbekommen, die Bootstour blieb ihr versagt. Vielleicht kann sie das ja in vier Jahren noch nachholen. Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind bei ihr irgendwo im Hinterkopf, hatte sie nach London gestanden. Doch wie ihre Karriere wirklich weitergeht, weiß sie noch nicht. Wann löst der Kampf ums Buntmetall den ums Edelmetall ab? Die Obermeisterin rückt die Mütze zurecht, schaut über den Bahnhof und sagt: "Jetzt erstmal das Praktikum, dann die neue Saison. Ich denke nur von Schritt zu Schritt." So, wie sie es als Hindernisläuferin eben gelernt hat.

Zum Thema:
Neben der Bundespolizei gibt es weitere Sportförderer:

Feuerwehr: An der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz in Eisenhüttenstadt absolviert der Spremberger Kanu-Olympiasieger Kurt Kuschela die Ausbildung zum Brandmeister. Auch der Cottbuser Bahnradsportler Roger Kluge war dort.

Bundeswehr: In Deutschland gibt es 15 Sportfördergruppen, die über 800 Sportsoldaten finanziell absichern. Unter anderen die Cottbuser Kanu-Weltmeisterin Debora Niche oder der Forster Olympia-Starter Thomas Schneider gehören dazu. Der Cottbuser Vorzeigeturner Philipp Boy ist ebenfalls derzeit noch dabei.

Polizei: Seit Oktober gibt es auch bei der Brandenburger Polizei eine Sportfördergruppe. Ihr gehören unter anderen die Cottbuser Bahnradsportler Stefan Schäfer und Franz Schiewer an.

Vattenfall: Der Energiekonzern fördert die Sportler mit Ausbildungsangeboten und großzügig ausgelegten Halbtagsstellen. Eine davon hat beispielsweise Bahnradsprinter Maximilian Levy, der bei Vattenfall in der Öffentlichkeitsarbeit angestellt ist.