Das State Department teilte nicht einmal mit, an welchem Ort sich Palästinenser und Israelis am Montag an den Verhandlungstisch setzen wollten. US-Außenminister John Kerry, der Mann, der die Gespräche durch seine monatelange Pendeldiplomatie überhaupt erst möglich gemacht hatte, gab schon im Vorfeld die Parole aus: Jedes öffentlich gesprochene Wort kann zu viel sein. Schweigen ist Gold.

Kein Zweifel: Niemand will zu hohe Erwartungen wecken. Zu groß ist die Angst vor einem Scheitern. Seit Jahrzehnten ist jede Nahost-Initiative letztlich im Sande verlaufen. Für Kernprobleme wie die Zukunft Jerusalems, das Schicksal palästinensischer Flüchtlinge sowie die Grenzen eines Palästinenserstaates sehen selbst kühnste Träumer derzeit keine Lösung, auf die sich beide Seiten einigen könnten.

Zudem sind die Palästinenser gespalten, die in Gaza regierende radikal-islamische Hamas-Organisation ist bei den Gesprächen erst gar nicht dabei. Und zu allem Überfluss brennt es derzeit rund um Israel lichterloh.

Haben da Gespräche Sinn? "Es gib sehr gute Gründe, um zu bezweifeln, dass ein wiederbelebter Friedensprozess eine Zwei-Staaten-Lösung bringen wird oder überhaupt viel Fortschritt", meint die Zeitschrift "Foreign Policy". Zwar heißt es, Kerry habe den Palästinensern zugesichert, dass die Verhandlungen auf Basis der Grenzen von 1967 geführt werden.

Doch in Washington erinnert man sich noch lebhaft an das Treffen des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu mit Präsident Barack Obama im Mai 2011, als dieser erstmal öffentlich die Grenzen von 1967 ins Spiel brachte. Netanjahus Gesichtszüge versteinerten sich, er konnte seine Emotionen kaum zügeln. Der Besuch endete im Debakel.

"Viele im israelischen Kabinett scheinen Annexion von Palästinensergebieten einer Zwei-Staaten-Lösung vorzuziehen", meint denn auch "Foreign Policy" skeptisch. Und dennoch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Entgegen allen Unkenrufen hatte Kerry im Frühjahr seinen Druck auf Palästinenser und Israelis erhöht. Seine Botschaft ist simpel: Weiteres Zögern und Zaudern kann die Lage nur noch verschlimmern, ist Wasser auf die Mühlen der Radikalen - sei es im Lager der Palästinenser, sei es im Iran.

"Jeder Zusammenbruch der Gespräche", warnt die Zeitung "Wall Street Journal", "würde das Risiko mit sich bringen, palästinensische Militanz wieder zu entzünden und für Iran und Syrien die Tür öffnen, sich im israelisch-arabischen Konflikt direkter engagieren."