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Die Grünen – Zahme Opposition

Das von den Experten begutachtete Wahlplakat der Grünen bei der Präsentation durch Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt (l.) und Parteichef Cem Özdemir.
Das von den Experten begutachtete Wahlplakat der Grünen bei der Präsentation durch Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt (l.) und Parteichef Cem Özdemir. FOTO: dpa
Berlin. Der Wahlkampf geht in die heiße Phase. Jetzt kommt es auch auf die Wahlplakate an. Was taugen die Motive der Parteien? Die RUNDSCHAU macht den Test. Zwei Experten geben ihre Bewertung ab, heute zu den Grünen. Werner Kolhoff

Karsten Göbel, Geschäftsführer Agentur Super an der Spree GmbH, Berlin:"Die Plakate der Grünen verdeutlichen, warum die Partei ein Bild der Selbstauflösung abgibt. Die Kampagne erinnert bestenfalls daran, dass die Grünen sich auch zur Wahl stellen. Antreten alleine ist zu wenig. Die Kampagne findet zu keiner Neubelebung alter Themen und zu keiner Erweiterung um Zukunftsthemen. "Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts. Darum Grün". Wir sehen: kein Bild dieser Umwelt, kein Bild der Kandidaten, die für die Umwelt auf eine Bonusmeile verzichten würden. Kein Gefühl für gar nichts, keine Orientierung für das "lässige, entspannte, freundliche und coole Deutschland". Man hätte ebenso gut texten können: "Wir stellen keine Ansprüche und werden Sie auch nicht mehr mit den Details unserer Reformvorschläge belästigen.Wir wissen, dass uns gerade die Kandidaten fehlen, die grüne Story zeitgemäß zu erzählen".

Das Motiv verstärkt den Relevanzverlust der Grünen und wirkt, als hoffe die Partei, dass die Wahl schnell vorbei zieht und das Ergebnis nicht zu schmerzhaft wird. So kommen auch noch die letzten Stammwähler ins Grübeln und nix wird's mit der großen, identitätsstiftenden europäischen Erzählung.

Gesamturteil: Warum Grün?"

Eberhard Bingel, Vorstand CB.e AG, Berlin:

"Merkwürdig, ausgerechnet die Grünen (und die Linke) machen einen auf lustig, Parteien, die für ihre Humorlosigkeit berühmt sind. Der aktuelle Spruch der Grünen stand schon vor zehn Jahren auf der Kaffeetasse einer Kollegin, die ansonsten aus Diddl- und Schumitassen trank. Für Autofahrer ist der Text zudem auch noch zu lang.

Zuspitzungen wären hilfreich für eine kleinere Partei, sie sorgen für Diskussionen und Sichtbarkeit, vielleicht auch für Einladungen in Talkshows. Aber die Grünen träumen wohl noch davon eine Volkspartei zu sein.

Auf einen Kandidaten konnten sie sich auch nicht einigen, jedenfalls ist das wichtigste Element für ein Wahlplakat, das Gesicht des Menschen, dem ich meine Stimme und mein Vertrauen schenken soll, nicht vorhanden. Das ist gar nicht gut. Aber immerhin: der Absender ist gut zu erkennen! Die Farben sind auffällig, die Grafik leider nichtssagend, die Aussage eine Feststellung, die auch Klimawandelleugner unterschreiben.

Fazit: Opposition geht anders. Auf diese Weise wird wohl kaum jemand angesprochen, der sich eine neue Regierung wünscht."