Hatte er beim Gang ins Fernsehstudio schon jede Menge Rotwein oder gar ein paar Schnäpschen zu viel intus? Oder waren es lediglich die Glückshormone angesichts seiner enormen Aufholjagd, die den Kanzler so poltern ließen? Schröders Auftritt in der "Elefantenrunde" nach der Bundestagswahl ist legendär. Glaubt man den beiden Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner, ist zumindest die Getränkefrage jetzt geklärt: "Zu trinken gab es bei Müntefering übrigens Wasser und Tee." Kühle RotineAlso doch die Hormone, die für einen "emotionalen Ausnahmezustand" gesorgt haben. Fest steht allemal: Schröder, der so Wütende, ist ungewollt der Geburtshelfer dafür gewesen, was beide Autoren in ihrem gleichnamigen Buch einen vier Jahre andauernden "Rosenkrieg" nennen: die Große Koalition. Gestern wurde das Werk von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), einem der zentralen Protagonisten der Regierung, in Berlin vorgestellt. Wer sich von Wolfgang Schäuble jedoch intimere Einblicke in das Miteinander von Union und Sozialdemokraten erhoffte, der wurde enttäuscht. Kühle Routine scheint das Bündnis von Anfang an ausgezeichnet zu haben. "Ein Bund fürs Überleben", nennen deshalb auch die beiden Verfasser die Elefantenehe. Relativ schnell hätten die beiden Partner ihr Glück jeweils nur auf Kosten des anderen gesucht. Für Schäuble indes ist seit der Lektüre vor allem klar, "wie viel Mist man auch ohne Rotwein erzählen kann". Gemeint ist: Gerhard Schröder.Anfangs positive Gefühle Am Anfang gab es noch positive Gefühle, vor allem Erleichterung, dass man als Union wieder ins Kanzleramt einziehen und als SPD weiter regieren würde. Doch gut sechs Monate vor der nächsten Wahl sind all die anfänglichen Gemeinsamkeiten lange, lange verflogen. Viel wichtiger ist es laut den Autoren, sich als Parteien zu profilieren statt zu regieren. Warum dem so ist, wird akribisch nachgezeichnet und gespickt mit Portraits der wichtigsten Figuren. In der "Psychokrise" stecken demnach alle drei Parteien: Die Union sucht ihre Stammwähler, die SPD wird von den Linken gejagt und zerlegt sich selbst, die CSU blickt seit der bayerischen Landtagswahl in den Abgrund. Von der menschlichen Nähe, die zu Beginn geherrscht haben soll, ist auch nichts mehr übrig. Schäuble sagt es spitz so: "Diejenigen, die sich duzen, sind meist diejenigen, die sich am meisten malträtieren."Negatives Bild normalFür den Minister ist das negative Bild von der Koalition ohnehin nicht verwunderlich: Den "Streit um die Nummer Eins", also um die Kanzlerschaft, gebe es in Bündnissen mit einem kleinen Partner eben nicht. Große Partner könnten sich zugleich gegenseitig den Erfolg nicht gönnen, das sei "unvermeidlich". Und jeder Kompromiss in einer Großen Koalition werde von den Anhängern beider Seiten "als schwerer Schlag gegen das eigene Profil verstanden". Gut möglich, sagen auch die Autoren, dass dies nach dem 27. September noch weitere vier Jahre so bleibt.Eckart Lohse/Markus Wehner: Rosenkrieg. Die große Koalition 2005-2009, 272 Seiten, 16,95 Euro.