Früher, so war es dem Redakteur wohl zu Ohren gekommen, hatte es dort einmal einen Vulkan gegeben. Und was kann nicht alles passieren, wenn man da hineinbohrt“
Dr. Kurt Goth kann noch heute herzhaft lachen, wenn er an diese Episode denkt. "Unsere Bohrung hat damals schon für einiges Aufsehen gesorgt", erinnert sich der Geophysiker vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie in Freiberg. Bei der Bevölkerung, die natürlich gerne wissen wollte, was es mit dem ungewöhnlichen Geschehen auf sich hat - und bei der Fachwelt, die gespannt auf die Ergebnisse wartete. Denn in einem Punkt hatte der Artikelschreiber tatsächlich recht: In der Nähe von Baruth gab es wirklich einen Vulkan.
"Nicht nur einen", ergänzt Dr. Kurt Goth, "sondern gleich eine ganze Reihe." Die ganze Gegend zwischen Kleinsaubernitz und Baruth zeigt noch heute deutliche Spuren des einstigen Vulkanismus - beispielsweise den Basaltaufschluss am Schafberg. Die eigentlichen Vulkankrater allerdings lassen sich heute nicht mehr erkennen.
"Dank der Forschungsbohrung kann man heute ohne Umschweife behaupten, dass Baruth das am besten erforschte Maar auf der ganzen Erde ist", erklärt Dr. Kurt Goth. Bei einem Maar handelt es sich um einen durch Vulkanausbrüche entstandenen Krater, der, wie die berühmten Maare in der Eifel, mit Wasser gefüllt, oder, wie das Baruther Maar, zwischenzeitlich verlandet sein kann. "Aufgrund der unterschiedlichen Gesteinsstruktur verursacht ein solches Maar eine so genannte Schwereanomalie", erläutert der Freiberger Wissenschaftler. Diese kann man aus der Luft messen. Genau dies geschah bereits zu DDR-Zeiten - so kam man dem Baruther Maar und einigen benachbarten "Geschwistern" auf die Spur.
Durch die Forschungsbohrung - sie reichte bis in 280 Meter Tiefe (oder, wie die Forscher sagen, "Teufe") - gelang es den Geologen, ein lückenloses Bild von der Entstehung des Maars zu zeichnen. "Mit der Auswertung der Bohrergebnisse beschäftigen sich zahlreiche Wissenschaftler der unterschiedlichsten Forschungsgebiete", betont Dr. Kurt Goth. Unter anderem kann man daraus Rückschlüsse über die Klimaentwicklung ziehen - vor etwa 28 Millionen Jahren wuchsen in der Oberlausitz Palmen und Zedern, es war also wesentlich wärmer als heute. Über die Jahrmillionen betrachtet, ging die Temperaturkurve ständig auf und ab. "Aus geologischer Sicht liegen auch die derzeitigen Temperatursteigerungen absolut im normalen Bereich", betont Dr. Kurt Goth, der mit dieser Ansicht schon auf mancher Podiumsdiskussion angeeckt ist.
Das Baruther Maar soll nun im kommenden Jahr noch einmal ins Licht der Öffentlichkeit treten - anlässlich des Erscheinens einer populärwissenschaftlichen Publikation. "Zu diesem Anlass wollen wir uns vor Ort in Baruth einiges einfallen lassen", kündet Dr. Kurt Goth an. Was genau dies sein wird, kann er jetzt noch nicht sagen. Eines jedoch dürfte feststehen: Explodieren wird die Baruther Gegend nicht.