Surkow ist ein Strippenzieher des Systems Putins und der führende Kopf hinter dem Konzept der „gelenkten Demokratie“, das in der Opposition seit den Parlamentswahlen vom 4. Dezember so vehement als Täuschung der Öffentlichkeit kritisiert wird.

Die Weltöffentlichkeit nimmt seit Monaten mit Verblüffung zur Kenntnis, wie Putin und Präsident Dmitri Medwedew nach dem geschickten Wechsel Putins vom Präsidenten- ins Ministerpräsidentenamt 2008 eine weitere Personalrochade betreiben: Putin will nach den Präsidentenwahlen am 4. März erneut ins höchste Staatsamt wechseln, Medwedew soll dann sein Amt als Ministerpräsident erhalten. Solche Schachzüge entsprechen ganz dem Geschmack Surkows, der sich bislang weitgehend im Hintergrund hielt.

„Er ist ein Marionettenspieler, der das politische System vor langer Zeit privatisiert hat, die Medien unter Druck setzt und die Führung des Landes desinformiert“, wetterte der Milliardär Michail Prochorow kürzlich gegen Surkow. Prochorow hatte im Frühjahr die Kreml-treue Partei Gerechte Sache gegründet, war aber wenige Monate später entmachtet worden. Die starke Fokussierung der russischen Staatsmedien auf Putin und Medwedew wird in Moskau gerne als „Surkowsche Propaganda“ bezeichnet.

Der 47-Jährige machte aus seiner Verehrung für Putin nie ein Geheimnis. „Putin ist von Gott und dem Schicksal geschickt worden, als Russland eine schwere Zeit durchmachte“, sagte Surkow im Juli. Der Sohn eines Tsche tschenen und einer Russin arbeitete bis 1996 für den unter Putin enteigneten Ex-Ölunternehmer Michail Chodorkowski, 1999 kam er in den Kreml. „Er ist für die Führung unentbehrlich“, sagt der in Ungnade gefallene ehemalige Präsidentenberater Gleb Pawlowski.