Gestandenen Männern liefen Tränen über die Wangen, als die feierlich-traurigen Klänge in die laue Sommernacht getragen wurden und ringsum in den Orten die Kirchenglocken zum Abschied läuteten. Es war Mettenschicht, das letzte Stück Kohle wurde übergeben, die Grubenlampe ausgelöscht.

Damit endete der Steinkohle-Bergbau im Südwesten der Republik und mit ihm auch eine mehr als 250-jährige Industrie-Tradition, die das Land an der Saar prägte und ihm seinen Stempel aufdrückte. Die Basis legte im Jahr 1751 Fürst Wilhelm Heinrich zu Nassau-Saarbrücken, der dem planlosen Graben nach Steinkohle ein Ende setzte. Unter dem Regiment des Fürsten wurde der Wirtschaftszweig systematisch aus- und aufgebaut. Diese staatliche Eigentümer-Struktur, die im Prinzip bis zum Ende erhalten bleiben sollte, unterschied sich von allen Bergbau-Revieren des Kontinents. Sie war aber auch ständiger Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich - von der Zeit Napoleons bis in die 1950er Jahre. Ab 1815 bis zum Ersten Weltkrieg hatte im Westen des heutigen Saarlandes die Preußische und im Osten die Bayerische Bergverwaltung das Sagen, danach die Franzosen, dann - während der Nazi-Herrschaft - wieder die Deutschen, nach dem Zweiten Weltkrieg die Alliierten, daraufhin erneut die Franzosen. Nach der Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland übernahm die 1958 neu gegründete Saarbergwerke AG die damals noch 99 in Betrieb befindlichen Schächte, die Kokereien und Kraftwerke. Die Aktiengesellschaft gehörte zu 74 Prozent dem Bund und zu 26 Prozent dem Saarland. 66.000 Menschen arbeiteten seinerzeit für das Unternehmen - eine vorher nie erreichte Zahl. Rasch folgte der Niedergang. 1998, als die Deutsche Steinkohle AG (DSK) die Saarbergwerke übernahm, waren es noch 12 000 Arbeitnehmer, die im Bergbau tätig waren.

Doch im Saar-Revier wuchs auch der Widerstand gegen die Traditionsbranche. Risse an den Häusern, die über den Abbaufeldern standen, wurden nicht mehr einfach hingenommen und die Schäden klaglos reguliert. Hinzu kam, dass abrupt brechende unterirdische Sandsteinbänke an der Oberfläche immer wieder für Erderschütterungen sorgten. Nach einem schweren Beben im Februar 2008 beschloss der Bergbau-Konzern RAG das "Auslaufkonzept Saar", das die vorgezogene Schließung des Bergbaus am 30. Juni 2012 vorsah. Rund 1350 Saar-Bergleute wechselten ins Ruhrgebiet und nach Ibbenbüren, wo die Steinkohle-Ära erst 2018 endet. In den Jahren zuvor waren Tausende in den Vorruhestand geschickt oder zu anderen Arbeitgebern vermittelt worden.

Mit dem Aus für den Bergbau an der Saar ging auch ein wichtiger Auftraggeber verloren. Die Zulieferbetriebe, die sich schon länger mit dem Niedergang der Branche abgefunden hatten, verstärkten ihre Anstrengungen, im internationalen Bergbau Fuß zu fassen oder sich andere Geschäftszweige zu erschließen. Dem einen ist das besser, dem anderen weniger gut gelungen.

Schon Ende der 1960er Jahre setze das Land alles daran, den Strukturwandel zu beschleunigen. Vor allem die Autoindustrie und ihre Zulieferer konnten für den Standort Saarland gewonnen werden, denn die Arbeitnehmer waren industrieerfahren und Schichtarbeit gewohnt. Heute arbeiten rund 46 000 Menschen in der Automotiv-Branche. Das Saarland hat die Entwicklung weg vom Bergbau gut gemeistert. 37 000 Frauen und Männer sind derzeit arbeitslos gemeldet, was einer Quote von 7,2 Prozent entspricht. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt bei 375 000 - Tendenz steigend. Die Arbeitsplatz-Verluste des Bergbaus konnten damit mehr als kompensiert werden.