„Nirgends sind wir mehr in Sicherheit – nicht einmal zu Hause“, klagt eine Lehrerin, die aus Furcht nur unter dem falschen Namen Huma Batool reden will: „Wir leben in ständiger Angst vor den Taliban.“ Nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten dürfen die Frauen auf die Straße, obendrein von Kopf bis Fuß verhüllt.

Dennoch unterrichtet die 42-jährige Huma weiter als Lehrerin an einer Privatschule für Mädchen in der wichtigsten Stadt der Region, Mingora – allerdings unter größten Schwierigkeiten. Niemand könne sich vorstellen, wie schwer es sei, zur Schule zu kommen. „Ich überlege mir jeden Tag, die Arbeit hinzuwerfen und daheim zu bleiben“, sagt die zweifache Mutter.

191 Schulen zerstört

Huma Batools Schule ist eine der wenigen, die es im Swat-Tal überhaupt noch für Mädchen gibt: Die Taliban haben den örtlichen Behörden zufolge 191 Schulen in dem Tal zerstört, 122 davon für Mädchen. 62 000 Mädchen und Jungen stehen jetzt ohne Chance auf Schulunterricht da.

Huma Batool empfindet auch den Alltag jenseits ihrer Arbeit als Qual: Nicht einmal zum Einkaufen darf sie ohne einen männlichen Angehörigen gehen – weshalb sie oft stundenlang zu Hause festsitzt, bis sich ein Begleiter findet. Vorbei die Zeiten, in denen die gut ausgebildete und finanziell unabhängige Frau ein selbstbestimmtes Leben führen konnte. Ihre Einkäufe dienen nur noch der Grundversorgung, denn jedes irdische Vergnügen haben die Taliban längst verboten – mit der Begründung, das sei un-islamisch. Schönheitssalons haben die Radikalislamisten dichtgemacht, und auch jede Art von Unterhaltung ist untersagt. „Das Leben ist sterbenslangweilig“, klagt Huma: „An Kabelfernsehen dürfen wir nicht einmal denken, ebenso wenig wie an Kinos, an Filme oder Musik.“ Auf den Basar darf sie auch nicht mehr, dort haben die Taliban den Frauen nämlich den Zutritt verboten.

In die Klinik in Begleitung

Selbst wenn es um Leben und Tod von Frauen geht, lässt das die Taliban kalt. Eine 35-jährige Krankenschwester berichtet, Frauen dürften nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten ins Krankenhaus kommen – selbst, wenn sie schwer krank seien. Kämen sie allein, spielten sie mit ihrem Leben. Die junge Frau würde das Swat-Tal gern verlassen. Doch fehlt ihr das Geld dafür.

Auch eine Schülerin will über ihren tristen Alltag im Swat-Tal reden – auf die Frage nach ihrem Namen aber ruft sie erschrocken: „Bist du verrückt, wie könnte ich dir meinen Namen sagen?“ Ihren Traumberuf Ärztin hat sie aufgegeben, denn sie glaubt, dass die Taliban sie früher oder später sowieso zum Verlassen der Schule zwingen.