Im Rathaus von Seyne-les-Alpes klingelt das Telefon ohne Unterbrechung. "Ihre Telefonnummer?", fragt die Mitarbeiterin. "Gut, ich nehme Sie auf die Liste." Ständig melden sich in dem 1500-Seelen Ort in den französischen Alpen Anwohner, die bereit sind, Menschen aus Deutschland, Spanien oder anderen Ländern aufzunehmen. Angehörige von Absturzopfern.

Es ist ein Zeichen der Solidarität mit denen, die bei dem Absturz der Gemanwings-Maschine ihre Nächsten verloren haben. 150 Tote - niemand hat überlebt.

Seyne-les-Alpes liegt etwa 15 Kilometer von der Absturzstelle in dem schroffen Gebirgszug entfernt, an dem der Airbus A320 zerschellte. Hubschrauber kreisen über dem Ort. Im Sportzentrum am Ortsrand ist eine Art Kapelle eingerichtet, ein Raum der Stille und des Trauerns.

An der Unglücksstelle sind die Einsatzkräfte dabei, die Spuren zu sichern und die sterblichen Überreste zu bergen. Sie fotografieren, stecken Fähnchen in den Boden. Am Morgen starteten in Seyne-les Alpes Hubschrauber und brachten sie hinauf in das unwegsame Gelände. Etwa 70 Ermittler und Spezialkräfte der Bergrettung sind es am Donnerstagvormittag. Die Bergung der Leichen kann noch bis zu 15 Tage dauern. Die bisher geborgenen Leichen würden in einem in der Nähe provisorisch eingerichteten Labor auf ihre Identität untersucht. Mehr als 30 DNA-Spezialisten und Rechtsmediziner arbeiten an der Identifizierung

Die Bedingungen sind schwierig. "Es ist steil und rutschig", sagt der Chef der Bergrettungskräfte, Olivier Cousin. "Es ist gefährlich, man kann abstürzen." Seine Leute nehmen deshalb die Ermittler ans Seil, sichern sie bei ihrem gefährlichen Job. Die meisten Luftfahrtexperten, die Spuren für die Ermittlung der Unfallursache sichern und den zweiten Flugschreiber suchen, haben keine Bergerfahrung.

Ebenso wenig die Rechtsmediziner und Fachleute, die Leichen orten und für die Bergung bereit machen. Für sie ist die Arbeit physisch und psychisch eine immense Belastungsprobe. Wenn jemand nicht mehr könne, werde er abgelöst - und notfalls auch psychologisch betreut, sagt Cousin. Obwohl es dort oben kein Eis gibt, sind die Helfer mit Steigeisen und Eispickel unterwegs. Das gibt besseren Halt und schützt vor dem Abrutschen.

Eine Gefahr sind auch die Helikopter. Ihre Rotoren könnten Steine und Metallteile aufwirbeln - und die Einsatzkräfte verletzen. Sie landen deshalb nicht oder nur ein gutes Stück entfernt von der Unfallstelle. "Wir müssen ausprobieren, wie viele Mannschaften wir in die Zone bringen können", sagt Cousin. Er kommt aus Briançon. Dort geht es auf etwa 4000 Meter hinauf. Er kennt die Tücken der Berge.