So sieht Klimawandel aus: Hitzewellen werden stärker, Unwetter heftiger, Dürren häufiger. Der Juli 2015 mit seinen Wetterextremen belegt die Prognosen der Klimaforscher. Zwar war es in Deutschland nicht flächendeckend und dauernd brütend heiß, aber südlich der Mainlinie herrschten wochenlang Temperaturen von weit über 30 Grad, heftige Unwetter trafen zahlreiche Orte, in der Mitte Deutschlands regnete es viel zu wenig. Das geht aus der Monatsbilanz hervor, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) vorgelegt hat.

Zu warm und zu nass

Auch in Brandenburg war der Juli deutlich zu warm - und zu nass. Die Durchschnittstemperatur lag mit 19,2 Grad um knapp zwei Grad über dem langjährigen Mittel. Auch die Sonne schien mit 250 Stunden gegenüber 223 Stunden im Mittel überdurchschnittlich lang. Zugleich regnete es spürbar mehr als sonst im Juli. Wiederholte Gewitter brachten Brandenburg etwa 77 Liter Regen pro Quadratmeter - der Durchschnittswert liegt bei 54 Litern. Dennoch klagen die Bauern über trockene Böden.

Der Grund sind die starken, aber meist kurzen Regenfälle. "Bei Starkregen fließt das Wasser sehr schnell ab und kann nicht richtig versickern", sagt ein Sprecher der DWD. Noch eine Folge: Die Waldbrandgefahr ist nach wie vor sehr hoch.

Nicht viel besser sieht es in Sachsen aus: Die Durchschnittstemperatur lag mit 20,1 Grad sogar über dem Deutschlandmittel (19,5 Grad). Mit 269 Stunden gehörte Sachsen zu den sonnenreichsten Bundesländern im Juli. Und die Trockenheit ließ den Pegel der Elbe auf den tiefsten Stand seit 1964 sinken.

Auch im Süden der Republik schwitzten die Menschen wochenlang: Am 5. Juli kletterte die Temperatur in Kitzingen (Bayern) auf 40,3 Grad - neuer deutscher Hitzerekord. Für Freiburg galt zehn Tage hintereinander eine Hitzewarnung des DWD. "Nur 2006 hat es mehr Hitzewarnungen in Folge gegeben, nämlich 14", sagte DWD-Experte Andreas Friedrich. Der Juli 2006 war der heißeste Juli seit rund 125 Jahren. Der Juli 2015 liegt nach DWD-Berechnungen trotz der vielen Hitzetage auf Platz 6.

Schwimmbäder und Gartenlokale waren bundesweit gut gefüllt - die große Hitze machte wenig Lust auf Wandern und andere Aktivitäten. Der Verband deutscher Mineralbrunnen erwartet einen überdurchschnittlichen Absatz. "Der Juli war aus unserer Sicht ein toller "Mineralwassermonat", sagte Verbandssprecherin Hannah Schneider.

Zahlreiche Unwetter

Die heiße Luft war energiegeladen. Zahlreiche Unwetter fegten übers Land, Hagelkörner waren örtlich so groß wie Golfbälle. Tornados dagegen gab es keine, auch die Stürme im rheinland-pfälzischen Framersheim und in der Region um Halle an der Saale entpuppten sich nach Friedrichs Angaben als Fallböen. An ihrer Zerstörungskraft ändere das aber nichts. Ungewöhnlich sei der Sommersturm "Zeljko" am letzten Juli-Wochenende gewesen, der im Norden selbst im Flachland Windstärke elf erreichte.

Zur großen Hitze kam die Dürre. In Hessen wurde das Getreide nach Angaben des Bauerverbandes mancherorts notreif, das schmälert die Ernte. Die hessischen Förster fürchten um den Wald-Nachwuchs - jeder dritte im Frühjahr gepflanzte Jungbaum droht zu vertrocknen.

Im Norden dagegen war der Juli wenig spektakulär, es regnete genug, und zum Monatsende wurde es sogar fast herbstlich. "Die heiße Luft aus dem Süden ist dort nur selten angekommen", sagt DWD-Meteorologe Friedrich. Regen und Sturm trieben Besucher und Urlauber in Norddeutschland gegen Ende des Monats scharenweise in Museen und andere wetterfeste Attraktionen.

In der Lausitz geht der Wechsel von Hitze und Gewitter in dieser Woche in die nächste Runde. Nach Angaben des DWD steigen die Temperaturen auf bis zu 34 Grad am Dienstag. "Am Mittwoch gibt es dann einen kleinen Dämpfer", sagte eine DWD-Meteorologin. Am Ende der Woche sollen die 30 Grad aber wieder geknackt werden.

Nach sonnigen Tagen sind am Dienstagabend und in der Nacht zu Mittwoch Gewitter angesagt. Danach soll es wieder recht schön werden.