Brandenburgs Bibern geht es künftig an den Kragen. Einstimmig beschlossen die Mitglieder des Umweltausschusses des Potsdamer Landtags am Mittwoch eine Vorlage, die das Umweltministerium zum Erlass einer Rechtsverordnung zum Bibermanagement auffordert. Denn die eigentlich streng geschützten Tiere haben sich in manchen Regionen des Landes, etwa dem Oderbruch und auch im Unterspreewald, stark vermehrt - und verursachen Schäden etwa in Teichwirtschaften oder an Hochwasserschutzanlagen.

Der Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes in Brandenburg, Lars Dettmann, hatte bereits zu Jahresbeginn einen Biber-Managementplan gefordert. Das Zusammenleben zwischen Mensch und Biber müsse neu organisiert werden, nachdem sich die Population der Nager in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als erholt habe.

Im Jahr 2003 war das erste Biberpaar an der Roten Brücke bei Lübben beobachtet worden, weiß Arnulf Weingart vom Biosphärenreservat. Inzwischen rechnen die Experten mit etwa 100 Bibern zwischen Burg (Spree-Neiße) und Alt Schadow (Dahme-Spreewald). Der Chef des Biosphärenreservats, Eugen Noack, sieht mit der Rückkehr der Biber die Vielfalt der Arten im Spreewald gestärkt. Das entspreche auch der im Tourismus bedeutender werdenden "Sehnsucht nach Natur".

Dabei werden Biber im Unterspreewald an einigen kritischen Stellen zu einer echten Gefahr für Wassertouristen, weil sie Bäume an viel befahrenen Fließen fällen. "Die Waldbesitzer haben eine Verkehrssicherungspflicht. Und das kann teuer werden", sagte der Amtsdirektor des Amtes Unterspreewald, Jens-Hermann Kleine, bereits im Februar dieses Jahres der RUNDSCHAU.

Selbst die Lausitzmetropole Cottbus rechnet seit einiger Zeit mit Schwierigkeiten, die durch die gefräßigen Nager verursacht werden. Der Artenschutzbeauftragte der Cottbuser Stadtverwaltung Andreas Jäckel berichtet über eine aktive Biberfamilie, die in Gallinchen für gefällte Bäume und Staus gesorgt habe. Wie weit die kräftigen Nagetiere in die Stadt ziehen werden, sei bisher aber nicht absehbar.

Künftig soll es deswegen in der Hoheit der Landkreise liegen, besonders gefährdete Gebiete festzulegen, in denen auch ohne artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen Biber gefangen oder sogar getötet werden dürfen. Eine ähnliche Regelung existiert bereits in Bayern.

"Das Töten der Tiere bleibt die letzte mögliche Maßnahme", sagte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) gestern der RUNDSCHAU. In den vergangenen Jahren habe sich aber auch gezeigt, dass dem Biber nur schwer beizukommen sei. Auch gefangene und umgesetzte Biber würden ihre alten Burgen schnell wieder in Besitz nehmen. Während das Ministerium bisher keine Veranlassung sah, einen Biber-Managementplan aufzustellen, begrüßte sie am Mittwoch die Neuregelung. "Wir haben jetzt einheitliche Regelungen, die für das ganze Land gelten." Große Freude herrschte auch beim FDP-Landesvorsitzenden und Hobbyjäger Gregor Beyer. Denn er hatte das Thema Biber einst in die parlamentarische Debatte eingebracht - auch wenn am Mittwoch die Linkspartei lautstark reklamierte, selbst für den Antrag verantwortlich zu sein. Es sei ein Fortschritt, dass nun die Landkreise Gebiete festlegen können, in denen Biber ohne Einzelgenehmigungen "entnommen" werden könnten.

"Mit dem Antrag machen wir einen Schritt dahin, das Zusammenleben von Mensch und Biber besser zu gestalten", sagte auch der Linken-Abgeordnete Michael Luthardt. Der Biber bleibe aber eine geschützte Art, auf die man nun "nicht einfach lustig drauflosschießen kann." Auch die Grünen, die im Umweltausschuss durch den Vorsitzenden Michael Jungclaus vertreten werden, und dem Plan eines Bibermanagements bislang eher kritisch gegenüberstanden, stimmten deswegen am Ende der Vorlage zu.

"Das zeigt, dass wir uns bei bodenständigen Themen wie diesen durchaus auf einen gemeinsamen Antrag einigen können", bilanzierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski.