"Genau das würden wir bei Hitze gern machen, aber das ist im Kloster nicht so einfach möglich", sagt Schwester Christiane zu der Zeichnung. Den Alltag, und manchmal die Nöte der Nonnen im Benediktinerinnenkloster Alexanderdorf (Teltow-Fläming) bringt sie in Karikaturen zum Ausdruck. In dieser Kunst dürfte die gebürtige Magdeburgerin bundesweit die Einzige sein.
Meist fröhlich, aber auch ernst sind ihre Cartoons, die unter anderem die Internetseite des 1934 gegründeten Klosters St. Gertrud zieren: Da ist die radelnde Nonne, die darauf achten muss, dass kein Zipfel ihrer Tracht in die Speichen gerät. Oder die Ordensschwester, die beim Blumengießen mit einem widerborstigen Wasserschlauch kämpft. Oder die Nonne, die unter der Last eines großen Oster-Eies in ihren Armen kaum vorwärts kommt. "Ostern ist für uns ein anstrengendes Fest, weil wir sehr lange Gottesdienste haben, aber es ist auch mein liebstes", sagt Schwester Christiane.
Ihre Zeichnungen sind für sie "eine Brücke, um die Schweren des Alltags zu überwinden". Sie zeichne nicht nach Vorbildern, "sondern das, was ich gerade in meinem Herzen habe". Schon in früher Kindheit hat die heute 58-Jährige, die seit 1970 im Kloster Alexanderdorf südlich von Berlin lebt, ihre Liebe zur Kunst entdeckt. Bei ihrem Vater, der als Maler und Grafiker arbeitete, schaute sie über die Schulter.
Ein Studium war ihr, die sich schon früh zum christlichen Glauben hingezogen fühlte, als Tochter eines Künstlers in der DDR zunächst verwehrt. "Doch nach einer Ausbildung zur Plakatmalerin habe ich mich für die Kunsthochschule in Berlin-Weißensee beworben und es hat Gott sei Dank auch geklappt." Schon bald entschloss sie sich aber, ins Kloster zu gehen. "Es war immer meine Überzeugung, Künstlerin zu werden. Das andere war der Zug meines Herzens." Sie beschreibt die Entscheidung für ein Klosterleben als "Gefühl, wie wenn man sich ganz doll verliebt". Schwester Christiane brach dafür ihr Studium ab, was ihr bis heute "weh tut". "Im Westen wäre es kein Problem gewesen, als Ordensschwester zu studieren. In der DDR kam der Gang ins Kloster einer Republikflucht gleich." Durch einen Zufall entdeckte der kathol ische St. Benno-Verlag Leipzig in den 70er-Jahren Schwester Christiane - und sie erhielt den ersten Auftrag für eine Buchillustration.
Auf zehn Veröffentlichungen hat sie es mittlerweile gebracht - von Kinderbüchern über die Illustration der Jesus-Geschichte bis hin zu Detektivgeschichten um Pater Brown. "Jetzt habe ich keine Zeit mehr dazu und außerdem kann ich nicht unter Druck arbeiten." Doch der Kunst blieb sie immer treu und beschäftigt sich derzeit vor allem mit Ikonenmalerei oder gibt Kurse im Kloster. "Aber ich würde gern noch viel mehr malen", bekennt Schwester Christiane. "Um an das anzuknüpfen, was ich als Studentin aufgegeben habe."
Dass sich ihre derzeit 28 Mitschwestern durch Zeichnungen "auf die Schippe genommen fühlen", komme nicht vor. "Ich sehe zu, dass man sie nicht genau erkennt und stelle sie ja meist auch sehr fröhlich dar."
Internet: kloster-alexanderdorf.de