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"Die Freigehege sind wie ein Hochsicherheitstrakt"

FOTO: Helbig
Cottbus. Nach dem Ausbruch zweier Löwen aus ihrem Gehege im Leipziger Zoo vor knapp zwei Wochen, stehen in den Lausitzer Zoos die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Prüfstand. So sind auch in Cottbus, Hoyerswerda und im Wildpark Johannismühle (Teltow-Fläming) Raubtiere untergebracht. Daniel Friedrich

Für die Leipziger Zoomitarbeiter war es ein Schock: Ende September sind zwei Löwen aus ihrem Freigehege im Leipziger Zoo ausgebrochen. Offenbar hatten sie einen Wassergraben überwunden. Eines der Raubtiere musste schließlich durch gezielte Schüsse getötet werden, weil es auch eine provisorisch installierte Absperrung durchbrochen hatte.

Im Wildpark Johannismühle bei Baruth leben ebenfalls Raubtiere, unter anderen Bären und Löwen. Erst im Juni dieses Jahres büxten dort zwei der Großkatzen aus ihrem Freigehege aus, konnten jedoch durch einen zweiten Sicherheitszaun aufgehalten werden. Grund für den Ausbruch war menschliches Versagen: Ein Pfleger hatte eine Tür hinter sich nicht richtig verschlossen. Parkleiter Julian Dorsch meint: "Die Freigehege sind wie ein Hochsicherheitstrakt aufgebaut. Es gibt mehrere Sicherungsmechanismen, falls einer mal ausfällt." So lässt sich der Schlüssel der Türen zum Löwengehege erst abziehen, wenn diese auch tatsächlich geschlossen sind.

Auch die Braunbären seien in Johannismühle sicher untergebracht: "Sie leben in einem Gehege der höchsten Sicherheitskategorie drei. Dies umfasst unter anderem einen Untergrabschutz. Sollten die Bären am Zaun in den Boden graben, so stoßen sie auch unterirdisch auf einen massiven Drahtzaun, der einige Meter in die Erde ragt." Zudem gebe es einen Elektrozaun mit entsprechender Stromspannung. Dieser ist mit einem Alarmsystem gekoppelt, das einen Spannungsabfall via Telefon melden würde. Alle Sicherheitseinrichtungen würden zweimal täglich kontrolliert, versichert Julian Dorsch.

Für die Unterbringung von Raubtieren in Tiergehegen gelten verschiedene Regelungen, unter anderem die EU-Zoorichtlinie, das Bundesnaturschutzgesetz und das Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Darin heißt es zur Gehegebegrenzung: "Glatte Wände oder Gitter mit Überhang oder Elektrosicherung - für Löwe und Tiger vier Meter hoch, für Gepard 2,5 Meter hoch." Für Löwe, Tiger und Gepard seien auch Trocken- und Wassergräben möglich, "wenn die Außenkante ausreichend Sicherheit bietet". Dies war in Leipzig offensichtlich nicht der Fall. Denn auch, wenn sie es nur äußerst ungern tun, sind Löwen durchaus in der Lage zu schwimmen. Möglich auch, dass die Tiere über den Wassergraben hinweg gesprungen sind - klären lässt sich das im Nachhinein nicht mehr sicher, weil niemand den Vorfall beobachtet hat.

Auch im Zoo von Hoyerswerda finden die Regelungen aus den Säugetiergutachten und den EU-Richtlinien Anwendung. "Unsere Tiger sind von einem fünf bis sieben Meter hohen Zaun umgeben. Außerdem sind sie nachts in ihrem Innengehege eingesperrt", erklärt der Zoologische Leiter Eugène Bruins. Er sieht nach dem Ausbruch der Löwen in Leipzig keinen Grund, die bestehenden Sicherungssysteme infrage zu stellen, denn in seiner Anlage habe es noch nie einen Ausbruch gegeben. Leipzigs Zoodirektor kündigte dagegen an, dass der Wassergraben nach dem Vorfall umgebaut werden soll. Wie genau, das müsse noch entschieden werden. Als Maßstab für den Umbau gehe man jedoch davon aus, dass es die Löwen mit einem großen Sprung über das zwischen 6,60 Meter und 7,90 Meter breite Wasser geschafft haben könnten.