Drei neue potenzielle Freiwillige haben sich an diesem Julitag bei Marion Twarz gemeldet. Dazu kommen fünf Angebote für Sachspenden. "Das ist enorm", freut sich die Leiterin der Malteser Flüchtlingsbetreuung im Cottbuser Asylbewerberheim. Zwei fünfgeschossige Wohnblöcke am südlichen Stadtrand sind zurzeit Unterkunft für fast 300 Menschen, die in Deutschland Sicherheit suchen. Bis Dezember sind weitere 550 Neuankömmlinge angekündigt. "Die Stadt rechnet aber damit, dass es mehr werden", so Twarz. Jeden freiwilligen Helfer kann sie deshalb brauchen.

Im Keller des Asylbewerberheimes legen drei Frauen auf einem Tisch gebrauchte Kinderwäsche zusammen. Hemden, Hosen, Nachtwäsche, kleine akkurate Stapel. Bekleidung für Erwachsene hängt auf Bügeln an Kleiderständern. Provisorische Regale ziehen sich über die Wände.

Unmittelbare Hilfe

Evelien Richter und Martina Tschulik, beide im Ruhestand, haben sich vor zwei Wochen erst für diese Arbeit gemeldet, als sie einen Aufruf lasen, dass Hilfe in der Kleiderkammer gesucht wird. "Wir reden mit den Flüchtlingen mit Händen und Füssen", sagt Martina Tschulik und legt einen gefalteten Babystrampler zur Seite. Bereut habe sie ebenso wie Evelien Richter noch nicht, sich gemeldet zu haben: "Die Atmosphäre hier stimmt."

Sabine T. (Name geändert) kommt schon seit Oktober drei Mal pro Woche zur freiwilligen Hilfe in die Kleiderkammer. Sie möchte anonym bleiben. Die Mittfünfzigerin ist aus gesundheitlichen Gründen seit längerer Zeit nicht berufstätig. "Mir macht das hier total Spaß, weil das etwas Praktisches ist", sagt sie. Hilfe, die unmittelbar ankommt.

Berichte über Flüchtlinge und ihre Bekanntschaft mit einem Syrer gaben den Anstoß, dass sie sich im Cottbuser Asylheim gemeldet hat. Inzwischen ist Sabine T. mit zwei Flüchtlingsfamilien näher bekannt, unterstützt sie bei Behördengängen und bei der Wohnungssuche.

Marion Twarz von der Malteser Flüchtlingshilfe kann inzwischen viele Helfergeschichten erzählen. Da sei eine junge Erzieherin, im Moment ohne Job, die ein Spielzimmer in einer neuen Asylunterkunft in der Stadt einrichtet. Eine freiberufliche Künstlerin kommt ein mal in der Woche, liest Kindern Geschichten vor und spielt mit ihnen.

Ranzen für den Schulstart

Eine ehemalige Lehrerin betreut zwei Mädchen individuell, die - längst im schulpflichtigen Alter - in Cottbus zum ersten Mal zur Schule gehen. Eine Mutter habe organisiert, dass fast eine ganze Schulklasse mal zum Spielen mit Flüchtlingskindern in das Heim kam. Sachspenden und direkte finanzielle Hilfe durch Benefizaktionen sorgten dafür, dass ein wichtiges aktuelles Problem gelöst ist. Im Keller des Asylheimes lagern ausreichend viele Ranzen, um jedem Flüchtlingskind zum Schulstart einen zur Verfügung zu stellen.

Ganz wichtig sei die Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache, sagt Twarz. "Wir können jetzt den fünften Kurs mit ehrenamtlichen Lehrern beginnen", so Twarz. Anspruch auf einen offiziellen Sprachkurs haben Flüchtlinge erst, wenn klar ist, dass sie in Deutschland bleiben dürfen. Das kann Monate dauern. Gerade viele syrische Flüchtlinge seien aber hoch motiviert, schnell Deutsch zu lernen, um arbeiten zu können.

Neue Helfer, die sich melden, lädt Marion Twarz zu einem Gespräch ein, um auszuloten, wo sie tätig werden können. "Manchmal merken die Leute auch nach einer Weile, dass das doch nichts für sie ist." Auch das sei kein Problem. Sensibel sei das Thema ehrenamtliche Familienbetreuung. Da könne es auch mal Enttäuschungen geben, wenn eine Seite sich zu vereinnahmt fühle. Meist lockerten sich solche Beziehungen zwischen Deutschen und Flüchtlingsfamilien von allein, wenn die Familien in eine eigene Wohnung umgezogen seien.

Über ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlingskinder freut sich Marion Twarz, die selbst schon Großmutter ist, besonders. Sie sagt wie selbstverständlich "unsere Kinder", wenn sie die minderjährigen Bewohner des Asylheimes meint. Über 90 sind es zurzeit in Cottbus. Wie schwer traumatisiert manche sind, zeige sich oft erst mit der Zeit. Wenn sie zum Beispiel in den Kindergarten gehen und nur ängstlich in einer Ecke sitzen. Ein kleiner Junge, erinnert sich Twarz, habe mit ansehen müssen, wie sein Vater getötet wurde: "Mit einem Kopfschuss, direkt vor den Augen des Kindes."

Zum Thema:
In den Landkreisen der Region gibt es in vielfältiger Form ehrenamtliche Hilfe für Asylbewerber. Hier einige Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Das Netzwerk "Hoyerswerda hilft mit Herz" bietet Sprachkurse für Flüchtlinge an. In Spremberg erteilt eine ehemalige Russischlehrerin Deutschunterricht für Asylbewerber. Willkommensnetzwerke für Flüchtlinge gibt es im Elbe-Elster-Land, im Oberspreewald-Lausitz-Kreis und im Spreewald. In Lauchhammer wurden Mitglieder eines Jugendclubs im vorigen Jahr aktiv. Sie begleiteten Flüchtlinge auf den ersten Wegen durch ihren neuen Wohnort. An vielen Orten bieten Lausitzer Hilfe als Dolmetscher an.