Ahmed ist einer der Jüngsten in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Doberlug-Kirchhain. Der 16-Jährige genießt mit Vater und Onkel die wärmenden Sonnenstrahlen. Die drei Syrer sind über die Türkei und Serbien nach Deutschland gekommen und sie wollen hier bleiben, nicht nach Dänemark oder Schweden, wie viele andere, versichern sie in wenigen Brocken Englisch.

Nader ist 33. Aus seiner Hosentasche dringt laute Musik, die ihn an die Heimat erinnert. Vom Smartphone spielt er sie ab. Telefonieren geht kaum, der Empfang ist zu schlecht. Dann zeigt er Fotos von seiner Familie in Syrien. Die Töchter sind drei und sieben Jahre alt. Auf einem Bild hält er seine hübsche Frau im Arm. Nader ist Christ. Das ist sein Problem, sagen die Landsleute um ihn herum. Einer deutet an, was das im schlimmsten Fall in Syrien heißt. Man würde ihn erschießen.

Dort, wo das Land Brandenburg für etwa 20 Millionen Euro ehemalige Militärgebäude als Außenstelle der Erstaufnahme Eisenhüttenstadt ertüchtigt - Erstbezug frühestens ab Dezember - steht seit Mitte August eine Zeltstadt. Die unter dem Strom der Flüchtlinge stöhnende Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt sollte sie entlasten. Die ersten Bewohner aber kamen erst am 10. September nach Doberlug-Kirchhain. Die Infrastruktur war das Problem. Wasser- und Stromanschlüsse mussten gelegt werden. Große Engpässe gab es bei Sanitärcontainern.

Jetzt aber ist auch Doberlug-Kirchhain voll - wie alle anderen Brandenburger Erstaufnahmeeinrichtungen. "Wir sind am Limit", sagt DRK-Einsatzleiter Jens Brandes am Mittwochnachmittag. Am Tag zuvor brachten noch einmal mehrere Busse 150 Flüchtlinge direkt aus Berlin-Schönefeld nach Doberlug-Kirchhain. Damit betreuen die haupt- und ehrenamtlichen Helfer vom Deutschen Roten Kreuz dort jetzt 430 Menschen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Kamerun, Eritrea und Tschad. Nach Wochen der Flucht sind sie endlich in Sicherheit und können zur Ruhe kommen. In einem Sanitätszelt werden Kleinigkeiten wie Erkältungen oder Verstauchungen versorgt, parallel dazu steht ein Sanitätscontainer bereit. Ein Quarantänezelt wird für Eventualitäten vorgehalten. Ein Zelt der Stille wird gern genutzt für die Gebete, und direkt gegenüber steht das Zelt der Waschung. Für den "Hausfrieden" will Brandes so lange wie möglich an beiden festhalten. Wenn die Dynamik des Flüchtlingsstroms anhält, wird es schwierig werden.

Auch die Helfer stoßen an ihre Grenzen. 16 bis 20 Stunden am Stück waren die DRK-Leute teilweise im Einsatz. Der Caterer hat sein Küchenpersonal aufgestockt. Die Sicherheitsfirma bildet weitere Mitarbeiter für den Wachschutz aus.

Im Notquartier leben nur Männer. Anderen möchte man die Zelte nicht zumuten, das ist mit der Zentralen Ausländerbehörde des Landes so abgestimmt. Und doch sind die Zelte dort besser als anderswo. Denn sie gelten als winterfest und werden in den Nächten bereits beheizt. "Ein 1000 Liter-Öltank pro Zelt sollte 13 Tage reichen", sagt der Chef. Tagsüber muss noch die Sonne wärmen. Aber man hat die kälteren Tage im Blick. "Die drei großen Versorgungszelte werden noch mal ausgetauscht. Es sollen Thermozelte kommen, die wärmerhalten", so Brandes. Für Mahlzeiten, Deutschkurse, die Ehrenamtliche geben, und für die Freizeit werden sie gebraucht. Tischtennisplatte und Kicker hofft der Einsatzleiter dort bald aufstellen zu können. Die Männer sind für jede Abwechslung dankbar. Momentan spielen sie viel Fußball oder laufen in die fast drei Kilometer entfernte Stadt.