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Die FDP und die Bildungsgutscheine

Berlin. Alle Parteien haben in ihren Wahlprogrammen markante und zum Teil auch ungewöhnliche Ideen parat, die wir in dieser Serie testen. Heute: die Bildungsgutscheine der FDP. Stefan Vetter

Die Idee: Die Liberalen fordern, die Finanzierung der Schulen, Kindergärten und Kitas grundlegend umzukrempeln. Durch die schrittweise Einführung sogenannter Bildungsgutscheine für jedes Kind entstehe ein transparenter Qualitätswettbewerb um die besten Bildungsleistungen, heißt es in ihrem Wahlprogramm.

In der Praxis sollen die Eltern den Bildungsgutschein an die von ihnen gewählte Bildungseinrichtung weitergeben. Diese wiederum löst ihn dann beim Staat ein. Dabei sollen staatliche und private Einrichtungen den gleichen Betrag erhalten. Bislang sind Privatschulen auch auf private Mittel der Eltern angewiesen. Mit dem Vorhaben werde die freie Wahl auch zwischen öffentlichen und freien Bildungsträgern ermöglicht, argumentiert die FDP.

Der Haken: In Ansätzen gibt es die Bildungsgutscheine schon heute, nämlich im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets für Kinder von Hartz-IV-Familien. Das ist allerdings mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Die FDP-Idee könnte die Bürokratie erst recht beflügeln. Auch ist zu befürchten, dass die soziale Spaltung im Bildungsbereich weiter zunimmt.

Die Bewertung: Der Gedanke ist durchaus revolutionär. Nicht mehr die Schulen haben das Geld, sondern die Eltern, um deren Gunst die Schulen dann werben müssen. Eine absolut freie Schulwahl würde allerdings einen Run auf jene Schulen bedeuten, die ohnehin schon einen guten Ruf haben. "Das Hauptrisiko besteht darin, dass sich die soziale Schichtung der Schülerschaft so noch weiter verstärkt", sagt der renommierte Bildungsexperte Klaus Hurrelmann von der Berliner Hertie School of Governance. Denn solche Schulen könnten sich dann natürlich nur die besten Kinder "aus gutem Hause" aussuchen, während die anderen das Nachsehen hätten. Ein Problem ist auch, dass das bislang von den Eltern gezahlte Geld für Privatschulen, an denen etwa zehn Prozent der Kinder im entsprechenden Alter sind, über den Staatshaushalt aufgebracht werden müsste. Für eine eher staats-skeptische Partei wie die FDP ist das schon erstaunlich. "Positiv wäre allerdings, dass die Eltern dann wüssten, was ein Jahr Kita oder Gymnasium für ihr Kind eigentlich genau kostet und sie daran mit ihren Steuern beteiligt sind", sagt Hurrelmann.

Fazit: Eine spannende Idee, die allerdings in der Umsetzung mit vielen Unwägbarkeiten behaftet ist. Deshalb sollte sie erst einmal regional begrenzt in einem Landkreis oder einer Großstadt ausprobiert werden.