Wie halten es die Piraten mit der Sozialpolitik, mit der Eurokrise oder dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, wird das Führungstrio bei seiner ersten Bundespressekonferenz in Berlin gefragt. Es geht schließlich um ihre „bundespolitischen Vorstellungen“.

Die Antworten fallen irgendwie gleich aus. „Dafür haben wir keine Lösung“, „es gibt noch kein konkretes Konzept“, „zu Afghanistan haben wir noch keine Haltung“. Der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz sagt forsch, man müsse auch nicht für alles eine Lösung parat haben, das hätten die Etablierten auch nicht. Der Unterschied zu den anderen Parteien sei freilich: „Wir stehen dazu.“ Vielleicht ist das tatsächlich ein wichtiger Grund, warum die jugendliche Piraten-Truppe in einer neuen Umfrage mit acht Prozent bequem in den Bundestag einziehen würde.

Anders als die FDP, die nur auf drei Prozent kommt. Findet in Deutschland somit gerade eine Art politischer Wachwechsel in der Parteienlandschaft statt – die alte FDP geht dahin, die frischen Piraten kommen stattdessen? Es deutet einiges darauf hin. Auch, weil die Piraten sich selbst als „sozial-liberale“ Grundrechts- und Freiheitspartei begreifen, wie sie sagen. Eine Haltung also, die bei der FDP wohl nur noch von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger offensiv vertreten wird, und von ein paar alten Partei-Haudegen.

Irgendwie sympathisch

Ihre Unwissenheit macht die Piraten dabei irgendwie sympathisch, zumal sie ihre inhaltliche Leere bei vielen Themen als Chance ansehen: Jeder könne schließlich jetzt dem Grundsatz der Transparenz folgend mitarbeiten. Das nennen die Piraten ein „neues Betriebssystem für die Politik“.

Anträge, Beschlüsse, Inhalte werden demnach öffentlich zugänglich debattiert, geschrieben, gespeichert. Das, gibt Bundesgeschäftsführerin Marina Weisband jedoch zu, „hindert uns manchmal daran, effizient zu sein“.

Ein Problem

Der Erfolg mit dieser Rückkehr zu einer Art Basisdemokratie hat die Etablierten gleichwohl aufgeschreckt, ihnen sogar Beine gemacht. Man sei froh, wenn andere Parteien jetzt unter Druck gerieten, erklärt Weisband. „Wenn der Wähler aber will, dass wir regieren, dann regieren wir.“ Mit allen, außer den Rechten. Allein in Berlin zählen sie nach dem Sensationssieg bei den Wahlen schon „weit über 1000 Mitglieder“, so der neue Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Andreas Baum.

Nicht alles jedoch ist bei den Piraten bestens: Ihre Politik findet auch in einer Sphäre statt, zu der viele Menschen keinen Zugang haben, weil sie keine digitalen Profis sind. „Wir haben da ein Problem“, gibt das Führungstrio unumwunden zu. Sollten sie das nicht beheben, könnte es ihnen so ergehen wie den Parteifreunden in Schweden, dem Mutterland der Piraten: Nach einem Erfolg bei den Europawahlen 2009 scheiterten die Freibeuter dort ein Jahr später bei den Parlamentswahlen deutlich.