Wer mit dieser wissenschaftlichen Analyse noch nicht ausgelastet war, konnte in einer anderen Frage dem Musiker von Modern Talking gleich noch Tipps geben, wieso sich diese Musik noch nicht in den USA durchgesetzt hat.
Solche und andere Untersuchungen und Versuche über und mit dem Musikproduzenten und Erfolgsmenschen Bohlen tun vier Professoren-Kollegen derart „weh“ , dass sie sich jetzt in einem offenen Brief an ihren „Sehr geehrten Herrn Kollegen von Grawert-May“ wandten und ihm ein „Schluss mit lustig“ entgegenschleuderten. Kollegen anderer Hochschulen und Universitäten hätten schon angefragt, ob Senftenberg eine Spaßhochschule sei, begründete Prof. Dr. Hansjörg Oelmann, warum er und die Mitautoren des Briefes, die Professoren Günter H. Schulz, Klaus Brockmeyer und Erhard Stein, die „Interessen der Kollegen und der Hochschule beschädigt“ sehen.
Nicht nur, dass Erik von Grawert-May dem Musiker Bohlen als gelerntem Diplom-Kaufmann zu einer Promotion verhelfen wollte und danach sogar eine Professur an der Fachhochschule Lausitz (FHL) in Aussicht gestellt haben soll, sorgt für Misstöne im Chor der Professoren. Grawert-May stichle gegen die Präsidentin der FHL, Brigitte Klotz, auf deren Vorschlag hin der Senat der Lehranstalt der Verlagerung eines Fachbereiches auf den Campus nach Cottbus zugestimmt habe, wird in dem Brief kritisiert. Statt die demokratische Entscheidung zu akzeptieren wünsche sich Grawert-May öffentlich, dass vor dem präsidialen Haus die Sterbeglöckchen klingen mögen für jeden Senftenberger, der die Stadt verlassen müsse. Das könne man nicht hinnehmen, sagen die Briefautoren. Dass der „verehrte Kollege“ darüber hinaus eine Barbara-Statue aus dem städtischen Museum kurzzeitig habe entführen lassen, um der Schutzpatronin der Bergleute für eine Traditionsfeier an der Lehr- und Forschungsanstalt leibhaftig zu werden, gehöre offensichtlich zum Grawert-Mayschen „Imageaufbau, sich zum Retter und Schutzengel Senftenbergs zu profilieren“ , heißt es in dem Brief weiter.
Der gescholtene Professor bleibt unbeeindruckt. „Ich glaube nicht, dass ich der Hochschule schade“ , sagt Erik von Grawert-May. Da Bohlen polarisiere, müsse auch der, der sich an seine Seite stelle, polarisieren. „Das ist doch aber nicht schlecht, gerade für Senftenberg nicht“ , meint der Professor für Unternehmenskultur. Überall werde er darauf angesprochen, ob Dieter Bohlen wirklich nach Senftenberg komme und stellt fest: „Mich beachtet ja gar keiner.“
Was, wie der offene Brief seiner Kollegen zeigt, nicht stimmt. Dass die in die Öffentlichkeit gegangen sind, gefalle ihm nicht, räumt der umstrittene Wissenschaftler ein. „Die hätten ja mit mir sprechen können. Dazu bin ich doch jederzeit bereit.“ Eine solche Aussage bringt Klaus Brockmeyer in Harnisch. „Ich habe mit ihm gesprochen. Er sagt ganz klar die Unwahrheit.“ Klaus Brockmeyer sieht sich daran gehindert, die Studenten der FHL vernünftig auszubilden und sie für den Markt fit zu machen. Hansjörg Oelmann befürchtet, dass die Öffentlichkeitsstrategie seines Kollegen Grawert-May „zur Komödie“ werde „und auf die Hochschule“ zurückschlage.
Arg im Clinch liegt Bohlen-Professor Grawert-May auch mit der FHL-Präsidentin Brigitte Klotz. Die ist sogar aus dessen Hanns-von-Polenz-Institut, das das Standort-Marketing für Senftenberg entwickeln will, ausgetreten. Sie hat ihm außerdem verboten, an der FHL Motive für die Entführung der Barbara-Statue offenzulegen. „Die Präsidentin gefällt mir, wenn sie als Präsidentin auftritt. Sie gefällt mir nicht als Juristin, die Verbote erteilt und Ultimaten stellt“ , sagt Grawert-May.
Brigitte Klotz begründet ihren Austritt mit der Tatsache, dass Institutschef Grawert-May Beschlüsse des FHL-Senats nicht toleriere.
Die Klausurfrage, was die in Bohlens Buch dargelegte „Liebesfähigkeit“ von den Maslowschen Erfolgskriterien unterscheide, will die Präsidentin trotz der Zwistigkeiten nicht beanstanden. Auch wenn sie andere Themen für angebrachter halte, sei eine solche Analyse durch die Freiheit der Wissenschaft gedeckt.