| 06:34 Uhr

Kirche
Die Evangelische Kirche steigt aus der Braunkohle aus

Die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche, Irmgard Schwaetzer und EKD-Ratschef Bischof Heinrich Bedford-Strohm.
Die Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche, Irmgard Schwaetzer und EKD-Ratschef Bischof Heinrich Bedford-Strohm. FOTO: Bernd Thissen / dpa
Bonn. Die Synode der EKD fordert bei ihrer Tagung in Bonn die 20 Landeskirchen auf, kein Geld mehr in fossile Energieträger zu investieren. Von Benjamin Lassiwe

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will aus der Braunkohle aussteigen. Gestern forderte die in Bonn tagende Synode der EKD in einem Beschluss alle 20 Landeskirchen ebenso wie ihre eigenen Einrichtungen dazu auf, „ihr Anlagekapital im Zuge einer nachhaltigen Anlagestrategie aus Branchen der fossilen Energieträgergewinnung und Energieerzeugung sukzessive“ abzuziehen.

Was auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär wirkt, ändert sich beim Blick auf die Anlagevolumina der Kirchen: Allein die Versorgungsfonds für die Pensionen der Pfarrer und übrigen Kirchenbeamten verfügen über ein Milliardenkapital, das in aller Regel in sicheren, nachhaltigen und langfristigen Geldanlagen geparkt wird. Politisch will die Kirche daneben Druck machen, dass Kohlekraftwerke, die älter als 30 Jahre sind, „sozialverträglich“ abgeschaltet werden.

Daneben beschäftigten sich die Kirchenparlamentarier mit der Auswertung des Reformationsjubiläums.

Denn auch wenn die Kirchen am Reformationstag so gut besucht waren wie sonst höchstens noch am Heiligen Abend: In den Bänken saß vor allem das Bildungsbürgertum. „Wir haben nur einen kleinen Ausschnitt der Gesellschaft erreicht“, sagte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer, vor Kirchenparlamentariern. Deswegen beschloss die Synode die Schaffung eines „Koordinationsteams“, das die Zusammenarbeit zwischen den Landeskirchen und den Austausch der im vergangenen Jahr entstandenen neuen Ideen fördern soll.

„Der ganze Schwung, den wir im Reformationsjahr bekommen haben, soll in Impulse verdichtet werden, die wir in die Landeskirchen und Gemeinden weitergeben“, sagte Schwaetzer. Der Beschluss der Synode hob hervor, dass es 2017 „selbstverständlich geworden“ sei, dass sich auch kirchlich nicht gebundene Menschen intensiv für das Gelingen des Reformationsjubiläums engagiert hätten. Weswegen künftig auch über neue Formen der Zugehörigkeit zur Kirche und der Beteiligung am kirchlichen Leben nachgedacht werden soll. So hatte etwa die Magdeburger Landesbischöfin Ilse Junkermann eine Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche auch unterhalb der kirchensteuerpflichtigen Vollmitgliedschaft ins Spiel gebracht.

Verstärkt will sich die Kirche deswegen auch der Digitalisierung widmen. Denn noch fehlt den Protestanten eine einheitliche Strategie für den Umgang mit den neuen Medien, beklagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, der Mitglied im Rat der EKD ist.

2018 soll deswegen über ein entsprechendes Konzept sowie einen EKD-Beauftragten für Digitalisierung nachgedacht werden. Zudem sehe sich die Kirche auch politisch angefragt: Digitalisierung müsse dazu führen, dass Menschen nicht in neue Abhängigkeiten geraten, sondern Freiheit gewinnen. Und wie sehr bei den Internetauftritten der Kirchen manches im Argen liegt, zeigt eine Episode aus der Sitzung des Kirchenparlaments am Dienstag: Da fiel dem Berliner Delegierten Stefan Schult de Morais im Anhang eines schriftlich vorgelegten Berichts auf, dass die Kirche bereits mehr als 160 000 Euro für eine App ausgegeben hat, die Nutzern den Standort des nächsten Kirchengebäudes, dessen Öffnungszeiten sowie auch einen Audioguide anbietet.

Doch die App wurde kaum vermarktet, aktualisiert und genutzt – am Ende schoss die EKD pro Benutzer rund 13 Euro zu.