Warschau hegt bis heute ein tiefes Misstrauen gegenüber Moskau. Den besten Schutz vor der einstigen Hegemonialmacht sieht es im Nordatlantischen Militärpakt und seiner Ost-Erweiterung."Russland war und ist unvorhersehbar und wird es bleiben", sagt der polnische Experte für Sicherheitspolitik, Jan Czaja. "Es wird weiter Probleme machen, das haben wir bei der Georgien-Krise gesehen", betont er. Der russische Regierungschef Wladimir Putin habe den Ehrgeiz, wieder eine militärische Supermacht aufzubauen. Den besten Schutz davor bietet laut Czaja aus polnischer Sicht eine Nato-Aufnahme der Ukraine. Polen, Ungarn und Tschechien wurden am 12. März 1999 in die Nato aufgenommen, nach fast zehnjährigen Verhandlungen. Sie waren die ersten ehemaligen Mitglieder des kommunistischen Militärbündnisses Warschauer Pakt, die der Nato beitraten. Bulgarien, Rumänien, die Slowakei und Slowenien sowie die drei Baltenrepubliken Estland, Lettland und Litauen folgten 2004. "Der Beitrittsprozess war sehr schwierig", erinnert sich der pensionierte polnische General Stanislaw Koziej. "Polen hatte in einer Zeit darum gebeten, in der noch russische Truppen auf seinem Boden und in der Ex-DDR stationiert waren, und die Situation in der ehemaligen UdSSR war noch unvorhersehbar." Der Warschauer Pakt wurde offiziell im Juli 1991 aufgelöst, die UdSSR im Dezember desselben Jahres. Als Polen im Juli 1997 die formelle Einladung zum Nato-Beitritt erhielt, jubelten Tausende Menschen in Warschau US-Präsident Bill Clinton zu und skandierten "Thank you America". Clinton, der sich für die Ost-Erweiterung stark gemacht hatte, versprach ihnen: "Niemals mehr wird euer Schicksal von anderen entschieden werden." In Tschechien und Ungarn herrscht weniger Misstrauen gegenüber Russland als in Polen. "Die politischen Eliten sehen die Sicherheitsfragen anders als Polen oder die baltischen Länder. Sie nehmen Russland weniger als Gefahr wahr", sagt der ungarische Politologe Peter Talas. Doch überall gilt der Nato-Beitritt als ein großer Erfolg. Die Prager Verteidigungsministerin Vlasta Parkanova sieht darin sogar den "wichtigsten Moment" seit dem Fall des kommunistischen Regimes 1989.