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| 02:39 Uhr

"Die Elbphilharmonie ist ein Weltwunder geworden"

Die Elbphilharmonie leuchtet in der aufgehenden Sonne. Das Bauwerk ist das neue Schmuckstück in der Hamburger Skyline.
Die Elbphilharmonie leuchtet in der aufgehenden Sonne. Das Bauwerk ist das neue Schmuckstück in der Hamburger Skyline. FOTO: dpa
Hamburg. Nach zehn Jahren Bauzeit ist es so weit: Die Hamburger Elbphilharmonie – bereits als "Architekturwunder" gefeiert – wird eingeweiht. Auch der Bundespräsident und die Kanzlerin werden zur Eröffnung am 11. Januar erwartet. Carola Große-Wilde

Ein Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor in Berlin oder der Eiffelturm in Paris - das soll die Elbphilharmonie werden. Und die Aussichten stehen nicht schlecht, dass sie es eines Tages sein wird. Schon bei der Übergabe des spektakulären Gebäudes vom Bauunternehmen Hochtief an die Stadt Hamburg vor zwei Monaten überschlugen sich die Kritiker mit Lobeshymnen. Vom "Architekturwunder" und "Jahrhundertbau" war da die Rede. Als "Ausnahmebauwerk" werde die Elbphilharmonie in die Baugeschichte eingehen. Und überhaupt gebe es nur ein Bauwerk auf der Erde, das in seiner stadträumlichen Präsenz mit der Elbphilharmonie verglichen werden könne: die Oper von Sydney.

Nächsten Mittwoch wird die Hamburger Elbphilharmonie endlich eröffnet - nach jahrelangen Querelen um Kostensteigerungen und Bauverzögerungen.

Der Eröffnungstermin des spektakulären Konzerthauses der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron musste mehrfach verschoben werden. Zunächst sollte die Elbphilharmonie bereits 2010 fertig sein, die Kosten stiegen von 77 auf 789 Millionen Euro. Das scheint angesichts der atemberaubenden Architektur der "gläsernen Welle" auf einem alten Kaispeicher an der Spitze der Hafencity beinahe vergessen. "Lästern war gestern. Jetzt wird gestaunt", urteilte nicht nur die Wochenzeitung "Die Zeit", seit die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe für die Besucher freigegeben wurde.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werden unter den prominenten Gästen sein, wenn am 11. Januar das Eröffnungskonzert im großen Konzertsaal erklingt.

Nach einem Festakt werden die beiden den Klängen des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter Leitung von Chefdirigent Thomas Hengelbrock lauschen. Seit Monaten haben sich die Musiker auf diesen Tag vorbereitet. Präsentieren werden sie eine musikalische Reise von der Renaissance bis zur Gegenwart, auf dem Programm stehen Werke von Beethoven, Wagner, Cavalieri, Liebermann, Messiaen, Praetorius und eine Uraufführung von Wolfgang Rihm. Gefeierte Solisten wie Bryn Terfel und Philippe Jaroussky werden dabei sein.

Der Saal mit 2100 Plätzen ist ähnlich wie die Berliner Philharmonie nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit einer Bühne in der Mitte, die von terrassenförmigen Publikumsrängen umgeben ist - nur viel höher und viel steiler. Die Form des Saals vergleichen die Architekten mit antiken Amphitheatern, mit Stadien und einem Zelt.

Dank der Akustik des Japaners Yasuhisa Toyota, der die spektakuläre Innenverkleidung, die sogenannte Weiße Haut, entworfen hat, sollen die Besucher von allen Plätzen gleich gut hören können.

"Die Elbphilharmonie ist ein Weltwunder geworden. Das spricht sich rum", sagt Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant von Elbphilharmonie und Laeiszhalle. Der gebürtige Wiener ist sich sicher, dass auch die schlagzeilenträchtige Entstehungsgeschichte zur Berühmtheit der Elbphilharmonie beigetragen hat: "Der Turnaround vom Skandalprojekt zum Happy End." Freuen kann sich Lieben-Seutter, der bereits seit Jahren ein abwechslungsreiches Programm in der altehrwürdigen Laeiszhalle und an anderen Orten anbietet, auf die Resonanz des Publikums: So gut wie alle Konzerte in der ersten Spielzeit der Elbphilharmonie sind bereits ausverkauft.

Bereits kurz nach der Eröffnung der Plaza Anfang November war der Ansturm der Menschen auf die öffentliche Aussichtsplattform zwischen dem historischen Kaispeicher und dem gläsernen Neubau enorm. Da die Kapazität begrenzt ist, müssen die Besucher vorher Tickets ziehen, nur Konzertbesucher kommen ohne Ticket zur Plaza. Von hier kommen die Besucher über geschwungene Treppen zum Großen und zum Kleinen Konzertsaal, zur Gastronomie und zur Lobby des Hotels. Durch riesige Windschotts gelangt man zum Balkon, der einmal rund um die Elbphilharmonie führt. Von hier haben die Besucher Aussicht auf den Hafen, die Alster und die Hamburger Innenstadt.

"Die Elbphilharmonie ist eine perfekte Mischung aus Konzerthaus und Sehenswürdigkeit", sagt Hamburgs Tourismus-Chef Michael Otremba. Alle Musiker, die bereits in ihr spielen durften, schwärmen. Nach Aussagen von Chefdirigent Thomas Hengelbrock hatten die Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters "Tränen in den Augen", als sie zum ersten Mal im neuen Saal spielen durften.