Die Briten sind abgeschlagen, Franzosen sogar auf den hintersten Plätzen, wie die britische Tageszeitung "Times" gestern unter Berufung auf eine Studie der Universität Ulster berichtete. Der Forscher Richard Lynn nahm dafür über Jahre tausende IQ-Tests vor. Lynn führt die tendenziell besseren Ergebnisse der Mittel- und Nordeuropäer auf das kühlere Klima zurück, das zu leistungsfähigeren Gehirnen geführte habe. Die Intelligenzforscherin Elsbeth Stern warnte vor zu simplen Schlüssen und betonte, die britische Arbeit sei nicht mit groß angelegten Untersuchungen wie der Pisa-Studie vergleichbar.

Durchschnitts-IQ von 107
Mit einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 107 liegen die Deutschen an der Spitze der Liste. Die Niederländer kommen mit winzig schlechteren Ergebnissen ebenfalls auf den Durchschnitts-IQ 107. Knapp dahinter folgen Polen (106), Schweden (104), Italiener (102), Österreicher und Schweizer (jeweils 101). Dann erst folgen die Briten (100). Erst auf Platz 19 haben sich die Franzosen (94) eingeordnet. Davor liegen unter anderem noch Spanien (98) und Russland (96). Hinter sich ließen die Franzosen unter anderem Türken (90) und Serben (89).
Der Verfasser der Studie, Richard Lynn, sieht Klima und Ernährung als wichtigsten Faktor für die Unterschiede in der Gehirnentwicklung. Die Menschen in Mittel- und Nordeuropa hätten größere Gehirne entwickelt, um in den kälteren Umgebungen zu überleben. "Die frühen Menschen in den nördlichen Gegenden mussten in kalten Wintern überleben, als es keine Pflanzen gab und mussten große Tiere jagen", wird der Forscher zitiert.
Dies sei entscheidend, weil die Ernährung wichtigster Faktor der Hirnentwicklung sei. "Die Menschen in südlichen Regionen hatten weniger Eiweiße, Mineralien und Vitamine, die aus dem Fleisch kommen und entscheidend für das Hirnwachstum sind." Lynn belegt seine These auch mit der europaweiten Messung der Gehirngröße. So seien die Gehirne in Nord- und Mitteleuropa im Schnitt 1320 Kubikzentimeter, im Süden nur 1312 Kubikzentimeter groß. Lynn hatte bereits im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, weil er Männern in einer Studie einen durchschnittlich fünf Punkte höheren IQ als Frauen attestierte.

Lynn gilt als seriöser Forscher
Renommierte Intelligenzfor scher schätzen Lynn als grundsätzlich seriösen Forscher ein. Sie weisen aber darauf hin, dass bei der vorliegenden Studie nicht immer der gleiche Test abläuft und die gleichen Rahmenbedingungen herrschten. So nahm Lynn seine Daten aus verschiedenen Veröffentlichungen. "Das ist deshalb nicht ein Intelligenz-Pisa", sagte die Intelligenzforscherin Stern vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. "Bei großen Unterschieden zwischen Ländern kann man aber natürlich überlegen, ob da nicht auch etwas dahinter steckt."
Allerdings warnte Stern, für die These einer Entwicklung von Intelligenz aufgrund frühgeschichtlicher Klimaeinflüsse gebe es keine schlüssigen Beweise. Auch ob die Gehirngröße mit der Intelligenz in Verbindung stehe, sei in der Forschung noch "ein weites Feld". Das werde erst in den nächsten Jahren durch bessere Messmethoden genauer zu bestimmen sein. Akademische und praktische Intelligenz hingen außerdem nicht unbedingt zusammen. Es sei zu bezweifeln, "ob die Fähigkeiten, die heute als Intelligenz gelten, die gleichen Fähigkeiten sind, die man braucht, um mit Stöcken und Steinen nach Mammuts zu jagen".
Auch der Erklärungsansatz einer Verteilung zwischen dem Norden und Süden Europas sei zweifelhaft. Immerhin seien gerade die Deutschen "ein Mischmasch", weil in der Geschichte sowohl Völker aus dem Norden als auch aus dem Süden durch das Land gezogen seien. Vielmehr müsse auch gefragt werden, inwieweit Schulbildung und Lerngeschichte der getesteten Personen für die Ergebnisse der Studie entscheidend seien. So sei bewiesen, dass der IQ von der Dauer des Schulbesuchs abhänge. (AFP/kr)