Die finanzielle Misere bei den privaten Haushalten ist aufgrund der guten Konjunktur nicht mehr ganz so angespannt - und weil die Bundesbürger in Geldangelegenheiten dazu gelernt haben. Das ist das Ergebnis des gestern in Berlin veröffentlichten Schuldenkompasses 2007 der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa).
2006 waren 2,9 Millionen Haushalte überschuldet. Ihr Anteil an allen Privathaushalten lag damit bei 7,3 Prozent. In die Berechnung der Schufa flossen Haushalte ein, die Konsumenten- und/oder Hypothekenkredite aufgenommen hatten. Rechnet man die Kredite für Immobilien heraus, reduziert sich die Anzahl der überschuldeten Haushalte auf rund 1,6 Millionen oder einen Anteil von 4,2 Prozent. Im laufenden Jahr werde es eine Trendwende geben, so die Experten, wodurch erstmals seit Jahren die Zahl der verschuldeten Haushalte 2008 sinken dürfte. Von Entwarnung kann jedoch keine Rede sein: Noch immer seien bundesweit deutlich mehr Verbraucher verschuldet als noch vor einigen Jahren, betonten die Finanzfachleute.

Häufig Arbeitslosigkeit
Laut Analyse, für die das Kreditbüro 400 Millionen Datensätze auswertete, haben Haushalte mit Alleinerziehenden, mit jungen Einkommensbeziehern bis 24 Jahre, Ein-Personen-Haushalte und die der unteren Einkommensgruppen ein besonders hohes Überschuldungsrisiko. "Etwa jeder dritte überschuldete Haushalt mit Konsumentenkrediten ist darüber hinaus von Arbeitslosigkeit betroffen", befand Schufa-Vorstandschef Rainer Neumann. Er nannte als weitere Gründe für finanzielle Pro bleme Scheidungen, mangelnde finanzielle Allgemeinbildung sowie Unerfahrenheit und Informationslücken in Geldangelegenheiten. Die Gesellschaft benötige deshalb eine bessere "Finanzbildung".

Bayerische Landkreise Spitze
Insgesamt untersuchte der Finanzdienstleister 439 Landkreise und kreisfreie Städte. Auf den letzten drei Plätzen landeten Mönchengladbach, Wilhelmshaven und Pirmasens - nirgendwo sind die Privathaushalte im Durchschnitt höher verschuldet. Die vorderen Plätze belegten die Landkreise Ebersberg, München, Eichstätt und Starnberg, allesamt in Bayern. Im Ländervergleich liegt der Freistaat aber nur auf Platz zwei, und zwar hinter Baden-Württemberg, gefolgt von Hessen und Sachsen. Rheinland-Pfalz belegt bei der Höhe der durchschnittlichen Verschuldung Platz sechs, Brandenburg ist achter, Nordrhein-Westfalen findet sich auf Platz zehn, das Saarland auf zwölf. Den letzten Rang belegt Berlin.
Laut Prognose wird sich die Schuldensituation der Menschen unter anderem in Thüringen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg im kommenden Jahr stark verbessern. In Bayern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wird sich die Lage kaum ändern, während die Schufa für das Saarland und Brandenburg eine Ver schlech terung voraussagt.