Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Bahnreisende müssen in nächster Zeit keine langfristigen Sperrungen von Bahnstrecken befürchten. Das sagte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG, Jürgen Trettin, am Donnerstag im Infrastrukturausschuss des Potsdamer Landtags. Doch ob sich diese Aussage wirklich halten lässt, war im Ausschuss durchaus unklar. Die Vertreter der Deutschen Bahn AG, die zum Thema „Auswirkungen der Baustellen von DB Netz in 2019 und 2020 auf den Schienenpersonennahverkehr in Brandenburg“ eingeladen waren, unternahmen viel, um sich selbst und ihr Unternehmen nach Kräften zu blamieren.

Die sonst in diesem Gremium üblichen Präsentationen fehlten völlig. Während ihrer Vorträge zu erwarteten Bahnbaustellen mussten die Mitarbeiter häufig in ihren Unterlagen suchen. Erst auf Nachfrage des Grünen-Abgeordneten Michael Jungclaus wurde deutlich, dass es in Brandenburg mehr als 50 zu erneuernde Brücken gibt.

Und auf eine von Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) angesprochene, dem Ministerium bereits vorliegende Ankündigung einer mehrwöchigen Sperrung auf der Strecke zwischen Berlin-Südkreuz und Großbeeren, die auch den in die Lausitz verkehrenden Regionalexpress 3 betrifft, gingen die Bahnmitarbeiter gar nicht erst ein. „Ich fühle mich von den Fensterputzern, die mir über den Betriebsablauf hier im Landtag berichten, besser informiert als von Ihnen“, sagte Jungclaus am Ende des Tagesordnungspunktes.

Deutlich wurde, dass es in diesem Jahr noch auf einer Reihe von Strecken Wochenendsperrungen und nächtliche Betriebsunterbrechungen geben soll. Das gilt etwa für den Bereich von Wünsdorf bis Hohenleipisch der Berlin-Dresdener Bahn.

Auf der Strecke zwischen Berlin-Gesundbrunnen und Stralsund wird es Baumaßnahmen am Karower Kreuz geben, wo ein neues elektronisches Stellwerk eingerichtet werden soll. Hier werde es im Juni, im September und im Dezember auch Vollsperrungen geben.

Auf dem RE1 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) wird die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks Köpenick bei Bahnfahrern für Ärger sorgen. Dagegen soll es auf dem Prignitz-Express RE6 vorerst  keine größeren Baumaßnahmen geben. 2020 wird dort allerdings die „Ruppiner See­damm“-Brücke neu gebaut.

Für einen Ausbau der Strecke Cottbus-Leipzig müssten dagegen weit über 100 Millionen Euro investiert werden, sagte Trettin. Er verwies darauf, dass die bislang unbefriedigenden Anschlüsse an den Fernverkehr in Leipzig zunächst durch häufigere Bahnfahrten auf dieser Strecke erreicht werden sollen.

Auf die Nachfrage des CDU-Abgeordneten Rainer Genilke, ob es in den nächsten zehn Jahren einen Ausbau der Strecke gebe, sagte Trettin, dass dies nur der Fall sei, wenn der Bund dafür Mittel bereitstelle. „Eine Planung dafür liegt noch nicht vor.“