Nach den Erdrutschsiegen der Union bei den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen haben die Christdemokraten nämlich die Möglichkeit, 2004 Johannes Rau als Bundespräsidenten abzulösen. „Über Personalfragen brauchen wir uns jetzt nicht zu unterhalten“ , wehrte Meyer zwar ab. Wohl wissend aber, dass die Union genau diese Diskussion - neben einigen anderen - schon längst verfolgt.

Hoffnungen erfüllten sich
Ein Doppelsieg für die CDU war das gestern, der in der Parteizentrale schon mit den Prognosen der Fernsehanstalten frenetisch bejubelt wurde. Im Hauptquartier der Union war es so voll wie damals bei der Bundestagswahl, allerdings spürte man einen kleinen Unterschied - die Parteianhänger waren sich diesmal sicher, dass es „ein großer und erfolgreicher Tag“ werden würde. Und diese Hoffnungen erfüllten sich vollends.

Ein Signal der Menschen
„Eine Klatsche für die SPD“ , kommentierte Generalsekretär Meyer zunächst das Ergebnis - die CDU-Vorsitzende Angela Merkel zog es erst zu ARD und ZDF. Später dann trat sie unter donnerndem Applaus vor ihre Parteifreunde. Der Wahlausgang sei ein Signal der Menschen, so Merkel, dass die Politik ihre Versprechen halten müsse. Kanzler Gerhard Schröder „ist es nicht zum zweiten Mal gelungen, Ängste in Bezug auf den Irak zu instrumentalisieren“ , hob die CDU-Chefin hervor.
Meyer nannte die Ergebnisse in Hessen und Niedersachsen einen „Supertag für die Union“ und eine „doppelte Ohrfeige“ für den Bundeskanzler und die SPD. Maßgeblich waren die Wahlen in den beiden Ländern von bundespolitischen Faktoren beeinflusst worden.
Auf die Union kommen nun allerdings ebenso spannende Zeiten zu wie auf Rot-Grün. Denn mit den Wahlsiegen steht auch sie vor wichtigen Richtungsentscheidungen. Welche Strategie wird die Partei beispielsweise im Bundesrat verfolgen, wo sie nun eine satte (Blockade-)Mehrheit hat„ „Wir werden unsere Verantwortung wahrnehmen“ , versprach Meyer gestern, auf Parteitaktik in der Länderkammer zu verzichten.
Zudem schießen Personalspekulationen längst ins Kraut, von denen die CDU-Führung derzeit noch lieber nichts wissen will. Die Kanzlerkandidatur 2006 ist so eine - Angela Merkel oder der neue starke Mann in der Partei, Hessens deutlich gestärkter Ministerpräsident Roland Koch“ Und wer soll Johannes Rau beerben, nachdem die Union in der Bundesversammlung nun eine deutliche Mehrheit hat?

Stoiber plädiert für eine Frau
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) plädierte bereits für eine Frau, während Meyer vorsorglich klarstellte, dass die Voraussetzung für das Amt nicht „ein bestimmtes Geschlecht“ sei. Denn: Sollte Rau eine Frau folgen, hätte Merkel, die auch eine mögliche Kandidatin sein könnte, keine Chancen mehr auf die Kanzlerkandidatur. Nach der K-Frage hat die Union nun also die P-Frage ereilt.