Noch bevor BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach am Mittwochnachmittag die ehemaligen Vize-Präsidenten der Uni feierlich verabschiedete, präsentierte er vor Fakultäts- und Verwaltungsspitzen seinen Entwurf zum neuen Hochschulentwicklungsplan. Schon die gemeinsame Einladung von Verwaltungs- und Fakultätsleitern zeigt, welcher neue Wind an der fusionierten BTU weht. Die frühere strikte Trennung der Bereiche hatte oft zu Spannungen geführt. Jetzt soll zusammenwachsen, was zusammengehört. Die neue Struktur hat das BTU-Präsidium vorgelegt.

Bisher sucht die neugegründete BTU noch nach einer eigenen Identität. Wie am Rande der Feier am Zentralcampus zu erfahren war, gibt es für das neue Präsidium einen klaren Schwerpunkt: "Dem Thema Forschung ist alles untergeordnet", bestätigt Präsident Jörg Steinbach, um sogleich klar und deutlich zu sagen, dass die BTU nur als Universität überleben und zukunftssicher gemacht werden könne. Er räumt ein, dass diese Orientierung für Mitarbeiter der ehemaligen Fachhochschule gewöhnungsbedürftig sein mag. Aber, um national und international sichtbarer als bisher zu werden, müsse die Forschungsleistung gesteigert werden. Eine Forderung, die auch das Land immer wieder gestellt hatte. Einer der Teilnehmer der Präsentation sagt: "Das wird natürlich für die Professoren eine Umstellung, die sich bisher auf die Lehre konzentriert haben. Aber alle müssen sich darüber klar werden, dass sie an einer Universität arbeiten."

Neben der Forschungsorientierung, die natürlich auf die Mitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zielt, setzt die neue BTU auf ein Markenzeichen - die hohe Durchlässigkeit. Steinbach hatte nach seinem Amtsantritt stets vom H-Modell gesprochen, das jetzt seinen Niederschlag im Konzeptentwurf findet. Für doppelt angebotene Studiengänge verbindet das H-Modell die jeweiligen Eingänge und Ausgänge. Es bietet mit dem College eine Vorbereitungsphase und - ganz wesentlich - die Möglichkeit, zwischen anwendungsorientiertem, fachhochschulischem und universitärem Studium über klar definierte Schnittstellen zu wechseln. "Für Studierende muss das unser Attraktivitätsargument werden", verdeutlicht der BTU-Präsident. "Denn die erste Bewerbungs- und Studienentscheidung kann an dieser Uni über transparente, vordefinierte Wege ohne große zeitliche Verluste korrigiert werden." Mit der neuen Struktur wären Doppelstudiengänge entweder aufgelöst oder über das H-Modell an Universität und Fachhochschule zusammengeführt.

Inhaltlich soll sich die Universität auf drei Kernbereiche konzentrieren:

Smart Region, erweitert um den Bereich Kulturerbe.Energie, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.Biowissenschaften, Naturwissenschaften und Gesundheit.Um vor allem Forschungsanreize zu setzen, sieht das Konzept innerhalb der BTU eine sogenannte Research School vor, in der alle Doktoranden und Post-Doktoranden eine Heimat finden sollen. Neu ist, dass der wissenschaftliche Nachwuchs hier bis zu zwei Jahre nach der Promotion als sogenannte Post-docs verbleiben kann, um seine Forschungen innerhalb der Uni vertiefen und weiterführen zu können.

Professoren, die Mitglied der Research School werden wollen, müssen sich mit ihren Forschungsprojekten und -konzepten bewerben und unter Beweis stellen, dass sie der DFG-Fähigkeit der Uni dienen. Steinbach lässt keinen Zweifel, dass hier "eine identitätsstiftende Einheit" geschaffen werden soll.

Diese Art Doppelmitgliedschaft an der BTU hat für die Forscher künftig den großen Vorteil, dass eingeworbene Drittmittel über eine spezielle Verteilung in dieser Organisationseinheit verbleiben. Außerdem können Research-School-Mitglieder schneller an spezielle Fördermittel - beispielsweise für eigene Stipendienprogramme - gelangen. Zudem ist besonders interessant und reizvoll, dass alle Mitglieder in der Research School das Promotionsrecht erhalten sollen. Für Fachhochschul-Professoren eröffnen sich damit ganz neue Chancen.

Den größten Einschnitt muss dem Entwurf zufolge die ehemalige Fachhochschule verkraften. Denn in der Informatik und Betriebswirtschaftslehre wird künftig nur noch universitär ausgebildet. Zugleich soll das anwendungsorientierte, fachhochschulische Wirtschaftsingenieurwesen ausgebaut werden. Nach dem gegenwärtigen Arbeitsstand sind künftig sechs anstatt der bisher acht Fakultäten vorgesehen:

Mathematik, Informatik, Informationstechnik und Physik.In der größten Fakultät - mit rund 40 Lehrstühlen - werden die Ingenieurwissenschaften zusammengefasst: Maschinenbau, Energie-, Elektro-, Verkehrstechnik, Werkstoffwissenschaften.

Umweltwissenschaften, Verfahrenstechnik, Biotechnologie, Physik und Chemie.Gesundheitsberufe, Musikpädagogik, Soziale Arbeit, Physio- und Therapiewissenschaften.Rechtswissenschaften, Geisteswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften.Architektur, Bauwesen, Stadt- und Regionalplanung.Innerhalb der Fakultäten untersetzt das BTU-Präsidium die Struktur mit Instituten, die die inhaltlichen Bereiche zusammenfassen. Im Gegensatz zu jenen Kommissionen, die im Vorfeld der BTU-Neugründung Empfehlungen abgegeben hatten, sichert diese Untergliederung den Erhalt aller auch kleineren Bereiche. Für Prof. Steinbach ist das kein Widerspruch: "Ich bin mit der These angetreten, dass dort, wo BTU draufsteht, auch BTU drin sein muss. Und diesem Anspruch sowie dem technischen Profil der Universität werden wir mit unserem Entwurf gerecht."

Insgesamt bleiben 170 Lehrstühle (von einst 220) erhalten - schwerpunktmäßig zulasten der früheren Fachhochschule. Wobei eine Reihe von Lehrstühlen seit Jahren nicht mehr besetzt war.

Neuberufungen macht Prof. Steinbach zur Chefsache. Um exzellente Wissenschaftler anzulocken, will er einen Etat von drei Millionen Euro pro Jahr dafür nutzen, diese zu finanzieren. Dass die Anzahl von 320 wissenschaftlichen Mitarbeitern konstant bleibt - bei weniger Lehrstühlen -, läuft laut Konzeptentwurf auf eine verbesserte Ausstattung hinaus.

Die Konzeption des Präsidiums wird jetzt in den verschiedenen Gremien diskutiert und verfeinert. Im Januar soll der Hochschulentwicklungsplan schriftlich vorliegen, damit er im frühen Sommer die Landesregierung erreichen kann.

Zum Thema:
Bevor BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach die Struktur der neuen Uni in den Wissenschaftsbereichen verkündete, hatte er bereits das Konzept der neuen Verwaltungsstruktur erläutert. Die notwendige Strukturanpassung sei notwendig geworden, hieß es, da sich die BTU eine doppelte Verwaltung nicht leisten könne. Er machte deutlich, dass es jedoch keine betriebsbedingten Kündigungen geben werde und alle Schritte der Verwaltungszusammenführung eng mit dem nichtwissenschaftlichen Personalrat um dessen Vorsitzende Corina Bär abgestimmt werden. In dem damaligen Bericht hatte es fälschlicherweise geheißen, dass alle Schritte bereits abgestimmt sind. ta