George W. Bush hatte Grund zum Strahlen. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahmen sich sogar kurz in die Arme - nachdem beide leidenschaftlich in ihren Reden ein "Ende des Blutvergießens, des Leidens und des jahrzehntelangen Konflikts" beschworen hatten. Der malerische Küstenort Annapolis schien an diesem sonnigen Herbsttag trotz weltweiter Skepsis zum Symbol neuer Friedenshoffnung geworden zu sein. Denn wenn es nach Bush, Olmert und Abbas geht, wird 2008 nach 60 Jahren kriegerischen Konflikts das Jahr des Friedens.
Er wolle "keinen grundlosen Optimismus" verbreiten, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kurz nach den historischen Reden in der Marine-Akademie. Aber schon lange habe es nicht mehr so viel Grund zur Zuversicht für den Nahen Osten gegeben. Tatsächlich konnten sich Olmert und Abbas auf einen Fahrplan der Verhandlungen einigen - und beide sprachen schonungslos die heiklen und schmerzhaften Themen an, wohl wissend, dass sie dafür in der Heimat von manchen mit Sicherheit als "Verräter" diffamiert werden würden.
Olmert sprach von der Aufgabe des 1967 eroberten Westjordanlandes und Verzicht auf israelische Siedlungen. Er wisse, dass es für die Israelis "ein extrem schwieriger Prozess" sein werde, sagte Olmert. Abbas verdammte den Terrorismus und nannte Israel einen Nachbarn, dessen Bürger ein Recht auf Sicherheit hätten - sicher hatten ihn seine Mitarbeiter über die heftigen Demonstrationen in Gaza gegen seine Versöhnungspolitik informiert.
US-Diplomaten sprachen von einem großen Erfolg der amerikanischen Nahost-Anstrengungen und von einer Genugtuung für Bush, dem oft Untätigkeit in Nahost vorgeworfen worden war. Der US-Präsident verhielt sich in Annapolis geschickt. Zum einen versicherte er, dass die USA dem Nahen Osten keine "amerikanische Vision" für eine Friedenslösung diktieren wollten. Zum anderen ist in dem Annapolis-Dokument aber die amerikanische Handschrift unübersehbar, wird die direkte amerikanische Einbindung und Supervision festgeschrieben.
Bush beschwor die Teilnehmer der Nahostkonferenz, den Weg zum Frieden zu ebnen. Er warnte vor einer "Schlacht im Nahen Osten". Auf der Konferenz wurde aber auch deutlich, dass Bush die Geister, die er rief, nun wohl nicht mehr loswird. Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal hatte die "völlige und direkte Einbindung der USA" in den Friedensprozess gefordert - in Annapolis war das für Bush sicher sehr viel leichter als in den anstehenden heiklen und komplizierten Verhandlungen der Konfliktparteien.
Erst der Tag nach der Konferenz werde zeigen, ob Annapolis große "Staatskunst" oder bloße Theateraufführung war, schrieb der ehemalige Nahost-Beauftragte der Clinton-Regierung, Dennis Ross. Erfolgreiche Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern seien ohne Druck aus Washington kaum denkbar.
Bush hat in Annapolis einen Erfolg erzielt - er selbst wiederholt immer wieder, dass es zu einem wirklichen Frieden noch ein weiter Weg sei. Allerdings hat er mit Annapolis auch ein zweites Ziel erreichen können: Die Teilnahme so vieler arabischer Staaten, meist vertreten durch ihre Außenminister, ist aus US-Sicht auch ein Zeichen des Zusammenrückens der gemäßigten, pro-westlichen Kräfte in Nahost - insbesondere gegen die aufsteigende Regionalmacht Iran und ihre islamistische Führung. Bush hatte in Annapolis Grund, zufrieden zu sein - offenbar hat er die erste Runde des "gewagten Spiels" ("New York Times") für sich entscheiden können.